12 von 12 – August 2022 _ Ein Tag in der Long-Covid-Reha

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Aktion 12 Fotos am 12. / Danke Judith von #sympatexter und Caro von #draussennurkaennchen

Ein Tag in der Long-Covid-Reha

Seit 02.08.2022 bin ich in der Brandenburgklinik in Berlin Bernau zur psychosomatischen Long-Covid-Reha.

Long-Covid zeigt sich bei mir vor allem in massiver körperlicher Erschöpfung, Konzentrationsschwäche und Wortfindungsstörung. Da dieser Zustand – arbeiten, schlafen, arbeiten, schlafen – sich über einige Monate hinzog, entwickelte ich zusätzlich eine leichte Depression. Ich fühl(t)e mich vom eigenen Körper ausgebremst und empfinde das als sehr unangenehm.

Die gute Nachricht, allein die Aussicht, dass ich jetzt endlich etwas tun kann für mich, führte dazu, dass ich schon in der zweiten Woche keine depressiven Anzeichen mehr habe. Die Erschöpfung ist leider immer noch da, aber weil der Aspekt Arbeit fehlt, kann ich dem nachgeben, wann immer es notwendig ist. Mein 12 von 12 August nimmt dich mit durch einen Tag Reha.

Tagesablauf

Der Tag beginnt für mich hier 8 Uhr. Meine Wecker machen im Umfeld von 1 Kilometer alle wach, nur mich nicht. Zum Glück habe ich auch hier einen „Lebendwecker“ gefunden. Tini, eine Mit-Rehabilitandin, macht sich jeden Morgen auf den Weg zu mir und donnert mit der Faust so lange gegen meine Tür, dass ich von dem Getrommel aufwache. Ich kann gar nicht sagen, wie dankbar ich dafür bin, sonst würde ich nämlich die Hälfte meiner Anwendungen und Gruppen verpassen. In einer Reha herrscht die Diktatur der Frühaufsteher, da hat so ein Eulchen wie ich nix zu lachen.

Alle Anwendungen und Freizeitaktivitäten sind umrahmt von den Essenzeiten. Da habe ich wohl Glück gehabt, in Gruppe 3 gelandet zu sein, denn in Gruppe 1 „dürfte“ ich 6.45 Uhr frühstücken. Mittag gibt es 12.30 Uhr und Abendessen 18.10 Uhr. Jede Gruppe hat ca. 45 Minuten Zeit zum Essen. Zu spät zu kommen und dann länger zu brauchen, das führt dann schon mal zu einem Spruch vom Personal: „Hier essen, dort reden!“ Gemeint ist außerhalb des Speisesaals.

Vormittag

Ein Tag in der Long-Covid-Reha

8 Uhr: Wirbelsäulengymnastik. Das ist eigentlich keine Zeit für mich, für sportliche Aktivitäten, der Morgenkaffee entfällt, weil ich bis 7.50 Uhr im Bett liege und schlafe, aber trotzdem tut mir das gut. Es knickst und knackst in den Knochen – da merke ich, dass mein Körper noch da ist. 🙂

9 Uhr: an der Rezeption meine Post abgeholt. Ein Journal mit dickem Papier für meine täglichen Neurografiken. Noch schnell – verbotenerweise – einen Kaffee gekocht und 20 Minuten Hörbuch hören.

Ein Tag in der Long-Covid-Reha

10 Uhr Psychotherapiegruppe. Das ist meine Bezugsgruppe und sie findet 2 Mal wöchentlich statt. Aktuell geht es um die Ressourcen und ich hatte heute eine wichtige Erkenntnis: alle Felder, bis auf eines, auf dem Ressourcenblatt von J. Peichel, liegen bei mir im grün gelben Bereichen, also von gut bis ok, (=ausbaufähig, aber safe). Einzig der Bereich „Wie kann ich für meinen Körpersorgen“ blinkt noch immer tiefrot. Da weiß ich doch, wohin mein Fokus während dieser Reha fließt. (Das Arbeitsblatt – Anhang 3 – kannst du dir hier runterladen.

11.30 Uhr Qi Gong für den Rücken. Gelernt habe ich heute den Affen, den Tiger und den Bär. Mehr konnte ich mir nicht merken 🙂

Mittag

Ein Tag in der Long-Covid-Reha

12.15 Uhr eine Runde Augenwasser lassen. Diese langsamen Qi-Gong-Bewegungen haben etwas in mir berührt. Ich spüre Traurigkeit und Schmerz und genieße währenddessen die Sonne und die Parkanlage.

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Ich heule und plötzlich watscheln sie los.
Mein Herz macht vor Schreck und Freude einen Hüpfer.
Die Tränen versiegen, während ich dieses kurze Video drehe.

Ein Tag in der Long-Covid-Reha

13 Uhr Mittagspause. Diese Zeit habe ich heut mit einer 20-minütigen Meditation und ein wenig Zeichnen verbracht und bin über der Zeichnung eingeschlafen.

Nachmittag

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15.30 Uhr Wassergymnastik. Das ist mein absoluter
Bewegungsfavorit. Könnte ich jeden Tag machen,
nur wie bekomme ich einen Pool in meine Wohnung???

16.30 Uhr Auf nach Wandlitz. Ich kaufe mir in meinem neuen Lieblingsgeschäft Rossmann einen Igelball, damit ich etwas gegen die Schmerzen in meinem Senk-Spreiz-Plattfüßen machen kann. Das Gelände der Waldsiedlung ist weitläufig und die Reste der Vergangenheit sind noch sichtbar.

Abend

18.50 Uhr Bus zum Abendessen in der Klinik verpasst. Meine Rehabegleiterin Tini tickt zum Glück ein wenig ähnlich wie ich: von einem verpassten Abendessen, lassen wir uns den Tag nicht verderben.

Wir gehen statt in der Klinik in einem Restaurant essen. Da gibt es wenigstens neben Tee und Wasser auch einen leckeren Hugo.

20.40 Uhr Ein wenig traurig hocke ich in der Bushaltestelle und hoffe, den Busfahrer zu erreichen, mit dessen Bus wir von Wandlitz zurück gefahren sind. Liegt meine Brille noch in seinem Bus? Leider nein. Mit anderen Worten, heute darf ich mich wohl von meiner Lieblingsbrille verabschieden, weil ich sie verloren habe. Um die blöde Stimmung zu verarbeiten habe ich wieder eine Neurographik gezeichnet.

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In Verbundenheit

 

 

 

2 Kommentare

  1. sylvia 15. August 2022 um 10:45 Uhr

    Ein Ironchen schreibt dem Eulchen. Wunderbar ??

  2. Geraldin 14. August 2022 um 10:28 Uhr

    Liebe Grüße an das Eulchen 🙂 und sich den Affen, den Tiger und den Bär gleich beim ersten Mal zu merken ist wahrlich so gar keine Leistung … dein
    Ironchen

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Hallo, ich bin Sylvia

systemische Therapeutin, Trauma-Coach und Bloggerin. Seit über 20 Jahren arbeite ich mit Paaren, Familien und Einzelpersonen daran, negative Kindheitsprägungen und frühe Traumata zu lösen und ein Leben voller Selbstvertrauen, innerem Frieden und emotionaler Stabilität zu führen.
Für ein erfülltes Leben in Verbundenheit.

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