Akzeptanz als Schlüssel zur inneren Stärke

Akzeptanz. Sprichwort von Dolly Parton: Wenn du den Regenbogen willst, musst du den Regen ertragen.Mir ist aufgefallen, dass viele Menschen intuitiv ablehnend reagieren, wenn von Akzeptanz gesprochen wird. Meistens verwechseln sie Passivität oder Resignation mit Akzeptanz und interpretieren diese als Aufgeben oder Nachgeben. Das ist nicht verwunderlich, schließlich leben wir in einer Kultur, die großen Wert auf Kontrolle, Leistung und ständige Verbesserung legt. Zielerreichung, Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit liegen im Fokus, um die persönlichen sowie kollektiven Leistungen zu maximieren. Wir sind darauf getrimmt, die Ersten oder die Besten zu sein, Fehler und Verlieren sind inakzeptabel. In diesem Kontext wird Akzeptanz häufig als ein Zeichen von Schwäche oder Niederlage gewertet.

Was für ein Trugschluss! Diese Orientierung an Entwicklung, Wettbewerb und Gewinn birgt das Risiko von Stress, Burn-out und einer Vernachlässigung anderer Lebensaspekte wie zwischenmenschliche Beziehungen oder persönliches Wohlbefinden. Aus meiner Sicht wird dabei ausgeblendet, was nicht ins Bild passt. Ohnmacht, Verlust, Trauer oder Schmerz passen nicht zum Erscheinungsbild von „Gewinner:innen“. Doch dabei wird ausgeblendet, dass es ohne Fehler, Niederlagen oder Grenzen, an die wir stoßen, keine Entwicklung gibt. Ein Kind lernt laufen, in dem es hinfällt. Das tut manchmal weh, dann weint das Kind, wird vielleicht wütend über das eigene Unvermögen. Doch statt sich davon ausbremsen zu lassen, steht es immer wieder auf. Übt, bis es sicher laufen kann. Das Kind spürt die Grenzen, akzeptiert sie (unbewusst), wehrt sich nicht gegen das, was ist – ich kann nicht laufen – sondern nimmt die Herausforderung an.

In diesem Beitrag gehe ich auf den Nutzen von Akzeptanz für das (gesellschaftliche) Miteinander und für gelingende Beziehungen und die Bewältigung von Krisensituationen ein und erkläre den Unterschied zum Konzept der radialen Akzeptanz.

Was ist mit Akzeptanz gemeint?

Akzeptanz bezieht sich auf die Bereitschaft, eine Person, eine Idee oder eine Situation so anzunehmen und zu betrachten, wie sie ist. Das bedeutet nicht, dass du mit allem einverstanden bist oder man deine eigenen Überzeugungen aufgibst.
Akzeptanz schließt viele Aspekte ein, die auch im Alltag, zum Beispiel im Umgang Miteinander für große Gelassenheit sorgen können:

  • Respekt und Verständnis für andere Standpunkte zu haben und diese anzuerkennen.
  • Die Fähigkeit, Unterschiede zu tolerieren. Das bedeutet, andere Kulturen, Lebensstile und Meinungen zu respektieren.
  • Veränderungen akzeptieren und sich an neue Situationen anpassen.

Akzeptanz ist also wichtig für zwischenmenschliche Beziehungen sowie für das eigene Wohlbefinden. Wenn du in der Lage bist, dich selbst und andere zu akzeptieren, kannst du ein erfülltes Leben führen und Beziehungen aufbauen, die auf gegenseitigem Respekt basieren. Gesellschaftlich betrachtet bedeutet es, dass Akzeptanz ein wichtiger Bestandteil einer offenen und toleranten Gesellschaft ist. Wenn Menschen bereit sind, Unterschiede zu akzeptieren und Respekt füreinander zu haben, können sie erfolgreich zusammenarbeiten und eine harmonische Gemeinschaft bilden.

Radikale Akzeptanz – die therapeutische Schwester der Akzeptanz

Radikale Akzeptanz ist ein Begriff, der in der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT) verwendet wird, einer Form der Psychotherapie, die sich auf die Behandlung von Personen mit emotionaler Dysregulation oder Borderline-Persönlichkeitsstörung konzentriert. Der Begriff wurde von Marsha Linehan entwickelt und stützt sich auf Ideen des Zen-Buddhismus. Dieses Konzept geht über die allgemeine Vorstellung von Akzeptanz hinaus und beinhaltet die vollständige und bedingungslose Akzeptanz von Ereignissen, Gefühlen und Umständen, wie sie sind, ohne zu versuchen, sie zu ändern oder zu bewerten.

Gerade für Menschen, die frühe Traumata aufgrund von physicher, psychischer oder sexueller Gewalt in der Kindheit erlebt haben, ist eine Emotion allgegenwärtig: die Ohnmacht. Aus diesem Gefühl heraus entstehen Wut, Trauer, ein allumfassender Schmerz und immer wieder die Frage nach dem Warum. Warum ist mir das passiert? Warum waren meine Eltern so zu mir? Warum hänge ich immer wieder in diesem Strudel fest? Weder auf die Emotionen noch die drängenden Fragen in uns werden wir je befriedigende Antworten finden, die uns helfen, einen Ausweg aus dem Traumastrudel zu sehen. Manchmal, so wie es bei mir war, ist die radikale Akzeptanz der erste heilsame Schritt raus aus dem Trauma. Die Situation akzeptieren, so wie sie wirklich war, ohne Bewertung, Wünsche, hätte, könnte, wollte. Das was war und zwar ausschließlich in Bezug auf mich selbst. Nich was ich von wem anders gebraucht hätte, sondern so wie es war.

Radikale Akzeptanz im Vergleich zum breiteren Konzept der Akzeptanz

Akzeptanz vs. Radikale Akzeptanz:

  • Wertungsfrei annehmen: Traditionelle Akzeptanz bezieht sich oft darauf, eine Situation oder ein Gefühl anzuerkennen und anzunehmen, dass es da ist. Radikale Akzeptanz geht jedoch weiter, indem sie dazu auffordert, alles umfassend anzunehmen, ohne Widerstand oder Urteile.
  • Bewältigung von Leiden: Radikale Akzeptanz hilft Menschen dabei, Leiden zu bewältigen, das aus dem Nichtakzeptieren der Realität entsteht. Durch die vollständige Annahme der Situation, wie sie war/ist, kann man den emotionalen Schmerz, der durch Widerstand oder Verleugnung entsteht, reduzieren.
  • Fokus auf das Hier und Jetzt: Radikale Akzeptanz betont die Bedeutung, im gegenwärtigen Moment zu leben und Dinge so zu akzeptieren, wie sie kommen, ohne sich auf die Vergangenheit oder die Zukunft zu konzentrieren.

Auch bei der radikalen Akzeptanz gilt: Sie ist nicht gleichbedeutend mit Zustimmung oder Aufgabe. Akzeptieren einer Situation bedeutet ausdrücklich nicht, dass man mit dem Geschehenen einverstanden ist, Täter:innen verzeiht. Mit radikaler Akzeptanz öffnet sich dir ein Weg, mit schwierigen und oft schmerzhaften emotionalen Zuständen umzugehen. Ziel dieses Weges ist es, aus dem Gefangensein im eigenen Ohnmachtsgefühl auszusteigen und so Veränderung im eigenen Erleben zu ermöglichen. Die Vergangenheit war so, wie sie war, ich kann sie nicht verändern. Doch ich kann die Bedeutung, die ich dem Ganzen gebe, verändern. Radikale Akzeptanz ist also ein Werkzeug, das Menschen hilft, mit Realitäten umzugehen, die sie nicht ändern können. Wie das geht, erfährst du in diesem Beitrag: Annehmen was ist – Radikale Akzeptanz

Akzeptanz hilft bei der Bewältigung alltäglicher Herausforderungen

Egal, wie groß oder klein die Herausforderungen im Alltag sind, die Anwendung von Akzeptanz unterstützt dich dabei, einfach zufriedener und gelassener zu sein, in der emotionalen Balance zu bleiben und überhaupt, dein alltägliches Wohlbefinden zu steigern. Soll heißen, wenn du Akzeptanz in dein tägliches Leben integrierst, wirst du lernen, effektiver mit Herausforderungen umzugehen, den eigenen emotionalen Zustand zu verbessern und ein allgemein zufriedeneres und friedvolles Leben zu führen.

Hier habe ich einige Beispiele für dich, wie Akzeptanz im täglichen Leben hilfreich sein kann:

  1. Stressreduktion: Akzeptiere kleine Unannehmlichkeiten oder Unvorhersehbarkeiten im Alltag, wie Verkehrsstaus oder technische Störungen, Menschen, die im Straßenverkehr anders fahren, als du es willst und du verringerst Stress und Frustration. Statt gegen die Situation anzukämpfen, zu schimpfen, dich aufzuregen, ermöglicht Akzeptanz dir ein ruhigeres und gelasseneres Reagieren.
  2. Förderung der Selbstakzeptanz: Indem du lernst, kleine Fehler oder Schwächen bei dir selbst anzunehmen, stärkst du dein Selbstbewusstsein und sogar deine Selbstliebe. Perfekt unperfekt heißt das Zauberwort. Dies reduziert deinen inneren Druck und fördert ein gesundes und realistisches Selbstbild.
  3. Bewältigung von Enttäuschungen: Ob es sich um eine abgesagte Verabredung oder einen verpassten Zug handelt, gelingt es dir, diese Enttäuschungen zu akzeptieren, wirst du flexibler und widerstandsfähiger gegenüber den Unwägbarkeiten des Lebens.
  4. Förderung von Gelassenheit: Akzeptanz hilft dir dabei, dich auf das zu konzentrieren, was du kontrollieren kannst, und das loszulassen, was außerhalb deiner Kontrolle liegt. Auch das führt zu einer inneren Ruhe und Gelassenheit im Umgang mit alltäglichen Herausforderungen.
  5. Erleichterung von Entscheidungsprozessen: Wenn du die Realität einer Situation akzeptiert, also dich weniger von Wunschdenken oder Verleugnung leiten lässt, wird es dir leichter fallen, klarere und fundiertere Entscheidungen zu treffen.

Eine große Herausforderung im Alltag ist es für mich, wenn mich wieder einmal ein Virus dazu zwingt, im Bett zu bleiben. Das fällt mir echt schwer, auch mit Fieber und dem ganzen unangenehmen Drum-Herum. Solange ich mich weigere zu akzeptieren, dass hier gerade etwas meinen Körper ausnockt, so lange leide ich. Ich will mich nicht schwach und ausgeliefert fühlen. Mein Körper hat für diesen Widerstand nicht mal ein müdes Lächeln für mich. Je mehr ich mich weigere zu akzeptieren, dass ich krank bin, desto geschwächter fühle ich mich und vor allem, ich leide unter der Situation. Erst in dem Moment, in dem ich (murrend) akzeptiere: „OK, du hast gewonnen, ich bin krank!“ antwortet mein Körper. „Na, dann weißt du ja, was du zu tun hast.“ Genau. Tee trinken und schlafen. Damit gebe ich meinem Körper die Erlaubnis, alles runterzufahren, was einer schnellen Genesung im Weg ist und meist bin ich nach 4-5 Tagen erfrischt und fit zurück in meinem Alltag.

Die Bedeutung von Akzeptanz in Krisensituationen

Meiner Erfahrung nach neigen Menschen dazu, sich erst in Krisensituationen zu verändern. Krisen liefern einen starken emotionalen Impuls, der die Notwendigkeit für Veränderung deutlich macht. In stabilen oder komfortablen Situationen fehlt oft der Anreiz oder der Druck, bestehende Verhaltensweisen oder Einstellungen zu überdenken. Krisen hingegen konfrontieren uns mit den eigenen Grenzen, sie fordern uns heraus, neue Lösungen zu finden, uns anzupassen und zu wachsen. Sie bringen eine unmittelbare Dringlichkeit mit sich, die das Bewusstsein und die Motivation für Veränderung erhöht. In Krisensituationen kann Akzeptanz eine entscheidende Rolle spielen, um innere Stärke zu entwickeln, Stress zu bewältigen und Wege zu finden, die mich aus der Krise führen.

Häufig öffnet erst das Akzeptieren einer Situation, die Annahme von Schwächen und Fehlern, den Raum der Möglichkeiten. Erst das Annehmen von Situationen oder Emotionen, abseits meiner Vorstellung davon, wie etwas zu sein hat, ermöglicht den Blick auf das, was wirklich ist. Solange ich daran festhalte, wie etwas sein sollte, ich etwas anderes ersehne und daran leide, dass es nicht so ist, wie ich es gern hätte, solange bleibe ich ein Opfer der Umstände, der Situation. Bin ich in der Lage, vor mir selbst anzuerkennen, dass es so ist, wie es ist, ermächtige ich mich selbst. Dann wird Akzeptanz zu einer bewusste und aktiven Haltung, die Raum für Wachstum und Veränderung schafft, ohne sich gegen die Realität zu wehren.

Ich habe meinen Job verloren, ich habe falsch investiert, ich kann mir die Miete für meine Wohnung nicht mehr leisten – all das sind Tatsachenbeschreibungen. Wenn ich all die Gründe, die ich mir erzähle, warum dies oder jenes passiert ist, wer schuld daran hat oder was ich vielleicht anders hätte machen können weglasse, reduziert sich das Drama erst einmal auf die Tatsache. So ist es. Wenn ich dann noch die zu dieser Situation auftretenden Gefühle annehme: ich bin traurig, wütend, ängstlich, hilflos und mir eingestehe, dass diese Gefühle eine Berechtigung haben, akzeptiere ich sie. So ist es. Es ist ok, Angst zu haben, wenn ich den Job, die Wohnung, mein Guthaben verloren habe.

Allein mit dem Anerkennen, dass die Emotion zur Situation passt und ihr eine Berechtigung zuspreche, entsteht eine kleine Distanz zwischen dem Gefühl und mir. Genau dort, liegt die Chance, die Situation objektiv wie ein Projekt zu betrachten. Ok, dass ist die Ausgangslage, was sind realistische Ziele und wie kann ich die erreichen? Plötzlich hast du einen Plan und fokusierst dich auf das, was jetzt dran ist und was du tun kannst, um deine Situation zu verändern.

Die Rolle der Akzeptanz bei der Bewältigung von Verlust und Trauer

Wenn wir mit Verlust und Trauer konfrontiert werden, ist es schwierig, zu akzeptieren, was vorgefallen ist. Wir fragen uns oft „Warum ich?“ oder „Warum musste das passieren?“ Es scheint einfacher zu sein, gegen die eigenen Emotionen anzukämpfen und sich gegen die Realität durch Leugnung oder Verteufelung zu wehren. Aber genau hier kommt die Akzeptanz ins Spiel. Durch Akzeptanz lernen wir nicht nur die schwierige Situation anzunehmen, sondern auch die eigenen Emotionen und Reaktionen auf den Verlust zu akzeptieren. Das bedeutet nicht, dass du einfach aufgeben oder dich zurückziehen sollst. Vielmehr hilft dir die Akzeptanz dabei, eine neue Perspektive einzunehmen und Wege zu finden, um weiterzuleben – trotz des Schmerzes und der Traurigkeit.

Die Rolle der Akzeptanz bei der Bewältigung von Verlust und Trauer ist unverzichtbar für unser Leben und unsere psychologische Gesundheit. Hier findest du ein paar hilfreiche Anregungen für den Umgang mit dem Schock nach einem Verlust und mit dem Verleugnen der Situation.

Persönliche Erfahrung

Einen Menschen zu verlieren, sei es durch Trennung oder Tod, gehört zu den schmerzhaftesten Erfahrungen, mit denen wir in unserem Leben konfrontiert werden. In solchen Momenten verlieren wir den Boden unter den Füßen. Ich war nach der letzten Trennung vor 12 Jahren fast zwei Monate nicht in der Lage, meine Wohnung zu betreten, so groß war die Angst, in der Wohnung an den Verlust und damit an den Schmerz erinnert zu werden. Ich erzählte mir Geschichten über Verrat. Dies ließ mich wütend werden und die Wut war weniger schmerzhaft, als der Schmerz über das Verlassenwerden, der an einen uralten Schmerz andockte. Doch die Geschichten änderten nichts an der Wunde in meiner Seele. Erst als ich akzeptierte: „Ich wurde verlassen, bin jetzt allein und das tut verdammt weh“ beruhigte sich etwas in mir. Die Wunde schloss sich von Woche zu Woche ein wenig mehr. Akzeptanz war meine Chance zum Überleben.

Innere Stärke und das Akzeptieren von Emotionen, Schwächen und Fehlern

Innere Stärke entwickeln wir, in dem wir uns selbst so annehmen, wie wir sind: in Gänze, ungeschminkt, in Nahaufnahme. Nicht wie wir gern wären, wie wir uns anderen präsentieren, sondern so wie wir sind. Mit allen Licht und Schattenseiten, mit dem, was wir können, ebenso wie mit dem, was wir nicht können. Mit Fehlern, Schwächen und mit unserer überbordenden oder fehlenden Emotionalität. Denn nur so entwickeln wir innere Stärke und können uns auch in schwierigen Zeiten behaupten. Viele Menschen haben Schwierigkeiten damit, ihre Fehler einzugestehen oder sich einzugestehen, dass sie nicht perfekt sind. Wir versuchen Emotionen zu unterdrücken oder wegzuschieben, Fehler zu vertuschen, Schwächen zu leugnen, weil wir denken, dass sie uns schwach machen.

Doch gerade dies macht uns menschlich und zeigt uns auf, wo wir noch lernen und wachsen können. Akzeptanz bedeutet nicht, dass du deine Emotionen, Schwächen immer im Griff haben musst – niemand kann das -, sondern dass du lernst, wie du mit ihnen umgehen kannst. Indem du annimmst, was ist und es nicht leugnest, sondern als zu dir gehörig betrachtest, stärkst du dich und wirst widerstandsfähiger gegenüber stressigen Ereignissen im Leben. Es lohnt sich definitiv, an deiner Selbstakzeptanz zu arbeiten. Letztendlich geht es darum, das Wort „Akzeptanz“ nicht nur als abstrakte Idee im Raum stehenzulassen, sondern aktiv in deinem Leben damit zu arbeiten – denn nur so kannst du wirklich davon profitieren!

Persönliche Erfahrung

Im Alter zwischen 30 und 35 Jahren hatte ich ein massives Problem mit dem Älterwerden. Ich steckte noch mitten in der Aufarbeitung meiner Kindheitstraumata und steckte in dem Gefühl fest: Das Leben ist ungerecht. Während ich nicht einmal wusste, wie sich eine normale Jugend ohne Gewalt anfühlte, alterte ich schon. Ich fühlte mich betrogen und in meinen Trauma-Mustern gefangen. Eines Nachts lief ich ziellos durchs Viertel und spürte, wie mich im Fenster eines Cafés eine Frau beobachtet. Wütend schimpfte ich vor mich hin „Was glotzt die Alte denn so blöd?“ Ich erschrak heftig, als ich merkte, dass ich mich vom eigenen Spiegelbild verfolgt fühlte. Ich hatte mich nicht erkannt.

Wenig später erzählte ich meiner Therapeutin von dieser Begegnung. Behutsam führte sie mich an das Konzept der radikalen Akzeptanz und was ich zu akzeptieren hatte, war hart: Meine Jugend lässt sie nicht nachholen. Nie. Es ist vorbei. Sie war so zerstörerisch, wie sie war. Ich akzeptierte auch, dass ich die Wahl habe: nach etwas suchen, was ich nie finden würde oder annehmen, was war und den damit verbundenen Schmerz, die Trauer, die Ohnmacht fühlen. Nicht mehr vor den Emotionen weglaufen. Das tat weh, sehr weh, doch zum ersten Mal gelang es mir, nach vorn zu schauen. Ich entwickelte eine Vorstellung davon, wie ich leben will, wenn all das Trauma-Drama nicht mehr mein Leben bestimmt.

Akzeptanz ist eine Herausforderung

Akzeptanz ist eine große Herausforderung, besonders wenn es um schwierige Situationen oder starke Emotionen geht. Es wird noch mehr zur Herausforderung, wenn du Akzeptanz als Resignation oder Schwäche ansiehst. Auch das kannst du akzeptieren, indem du dir eingestehst, dass du ein Kind unserer Zeit und Kultur bist und gelernt hast, dich dem Schmerz zu verweigern. Kulturell bedingt wollen wir unbewusst

  • lieber Recht oder Wiedergutmachung haben,
  • nicht aus der Wohnung ausziehen, für die wir die Miete nicht mehr aufbringen können,
  • dass der/die Partner:in sich ändert, etwas einsieht oder wenn er/sie uns verlassen hat, zurückkommt,
  • keinen neuen Job suchen, weil wir uns im alten doch so sicher gefühlt haben,
  • nicht, dass die Menschen, die uns Unrecht angetan haben, damit davonkommen
  • wir wollen das, wovon wir glauben, dass es uns zusteht (so wie ich, als ich unbedingt meine Jugend wieder haben wollte).

Das bedeutet, dass du dich in einer Krisensituation einerseits mit den Umständen, die zur Krise geführt haben, auseinandersetzen musst und andererseits auch noch deine Sichtweisen und emotionalen Reaktionen auf diese Umstände hinterfragen sollst. Das führt in meinen Coachings nicht selten zu Ablehnung und Missverständnissen. Deshalb schreibe ich es hier noch einmal deutlich: Es geht nicht darum, gutzuheißen oder zu entschuldigen, was andere dir angetan haben. Im Coaching geht es um dich, um dein Wohlergehen!
Und ja, es ist eine Herausforderung, die Dinge beim Namen zu nennen. Denn: Es ist, was es ist. Geschehenes lässt sich nicht rückgängig machen, sosehr wir uns dies auch wünschen. Doch ich verspreche, ab dem Punkt, wo dir dies gelingt, kannst du aufhören, nach Lösungen zu suchen und Probleme zu bearbeiten. Die Lösungen kommen dann fast von allein.

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Herzliche Grüße

2 Kommentare

  1. Sylvia Tornau 23. Dezember 2023 um 16:36 Uhr

    Liebe Wilhelmine, ich danke dir für deine Rückmeldung. Das ist so wichtig für mich, zu wissen, die Themen, die ich wähle, kommen an. Ganz herzliche Grüße Sylvia

  2. Wilhelmine Hoffmann 22. Dezember 2023 um 00:17 Uhr

    Liebe Sylvia,

    ganz herzlichen Dank für deinen Blogeintrag über das Thema Akzeptanz und radikale Akzeptanz!
    Deine Worte und aufschlussreichen Gedanken zu diesem Thema sind sehr hilfreich für mich und meinen eigenen Heilungsweg.

    Liebe herzliche Grüße
    Wilhelmine

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Hallo, ich bin Sylvia

systemische Therapeutin, Trauma-Coach und Bloggerin. Seit über 20 Jahren arbeite ich mit Paaren, Familien und Einzelpersonen daran, negative Kindheitsprägungen und frühe Traumata zu lösen und ein Leben voller Selbstvertrauen, inneren Frieden und emotionaler Stabilität zu führen.
Für ein erfülltes Leben in Verbundenheit.

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