Gebrauchslyrik von mir

Auf dieser Seite Lyrik von mir teile ich Gedichte, die ich Lauf der Jahre geschrieben und immer wieder überarbeitet habe. Ich nenne diese Texte Gebrauchslyrik, denn ich habe es gebraucht, sie zu schreiben und manchmal brauche ich es, sie zu lesen. Ich ordne die Gedichte hier nach den Jahren, in denen die ursprüngliche Fassung entstanden ist. Manchmal entsteht ein Gedicht, in dem ich mich auf ein älteres Gedicht beziehe. Das werde ich dann entsprechend kennzeichnen. All diese Texte unterliegen dem Urheberrecht ©.

2023

Wut – Ein stilles Feuer

In mir ein Feuer, das brennt, nicht weicht,
ein stilles Flammenmeer, das Tiefen erreicht.
Es nährt sich von Ungerechtigkeit, von Schmerz,
ein glühender Funke versteckt in meinem Herz.

Nicht immer laut, oft leise und schwer,
ein Kampf zwischen dem Jetzt und dem Mehr.
Es treibt mich an, es fordert mich heraus,
ein Funke, der sucht, bricht mutig heraus.

Ein Zeichen der Kraft, nicht nur der Zerstörung,
Wut ist auch Hoffnung, Veränderung, Erneuerung.
Sie lehrt uns zu kämpfen, für das zu stehen,
was recht ist und wahr, nicht unterzugehen.

Doch lerne ich auch, sie zu zähmen, zu lenken,
nicht von dunklen Wellen mich verschlingen zu lassen.
Sie zu nutzen als Kraft, die Wegweiser baut,
für eine Welt, die auf Verstehen und Liebe vertraut.

2017

Stille Nacht

Im Licht der Laterne
Kalte Flocken tanzen
Von fern die Glocken seufzen.

Vom unbefleckten Kind
Die Alten beten
Die Kinder schweigen.

Im jubilierenden Licht
Ein Engel fällt
Weich legt sich Weiß auf Weiß.

In heißen Öfen brät nacktes Getier
Die Alten lachen
Die Kinder streiten.

Im Licht der Laterne
Pinkelt ein Hund
Gelbe Sterne ins makellose Weich.

Das letzte Wort bleibt ungesprochen
Die Kinder singen
Die Alten schweigen.

2015

Harte Arbeit

Allmorgendlich
quäle ich mich
Stück für Stück
aus der Versunkenheit
im weltfreien Nachtraum.
Allmorgendlich
ziehe ich mich
aus der Umklammerung
watteschwerer Gedankenlosigkeit.
Allmorgendlich
hole ich mich
aus der Geborgenheit des Schlafes
zurück in die Wirklichkeiten
eines neuen Tages.

Allmorgendlich
sage ich nach dem Erwachen
Ja. Zu mir.
Ja, zu diesem neuen Tag.
und zu allem, was dieser Tag mir offenbart.

Wenn es doch so einfach wäre

Nackte Angst
zieh dich an
wir gehen aus.

Sommerregen

Verstaubte Erinnerungen
Abgespült die Hitze
Die Träume vergangener Tage
Neigen sich dem Ende
Verloren im Nass
Die Hoffnung auf Vergangenes
Abgestreift die Tränen
Morgen glänzt
Sattes Grün macht Lust
Der Tag endet mit Wolkentränen
Die Erfahrung lehrt Wachstum.
Frische Triebe
Emporgespült
Unbändig
Leben.

Zwischenzeit

Am Horizont das Segel
Weiß leuchtet Erinnerung
Als die Tage noch Zukunft
Die Abende warm
Der Herzschlag schnell.

Meergrün färbt der Blick
Die ruhige See
Am Ufer ein Fischskelett
Zwischen Tang und Steinen
Sand rieselt Zeit.

Am Horizont das Boot
Holt die Segel ein
Eine Möwe kackt Träume
Über den Türmen der Strandburg
Weht die Fahne des Abschieds.

2014

Erwachen

Im Augenaufschlag zwischen
Zwei Sternen glimmt Hoffnung
Vor dem Tag
Traumgleich öffnet sich ein
Tor zum Licht
Der Blinde tanzt
Im Gesang der Tauben Flügelschlag
Der Morgen wirbelt
farbenreich ins Neue.

2013

Strömungen

Vertraute Wege neu entdecken
Sonne beißt in Grün
Die Wipfel wiegen
Im Takt des Frühlings
Wolken ziehen weiter

Vertraute Wege neu beschreiten
Wind peitscht Wellen
Der Strand liegt bloß
Im Rausch des Blütenduftes
Vögel ziehen Kreise

I.W.

Wenn der Hahn kräht
Lässt du dich fallen
In einen letzten Traum
Am Morgen bist du dem Mond nah
Und dein Lächeln
Geht heimwärts

In deinen Augen voller Fragen
Leuchten die Sterne
Deren Flugweg du erkundest
Am Mittag sind Lösungen noch fern
Und dein Lächeln
Hängt windschief

Die Schritte verlangsamt
Dem Ruf des Kuckucks folgend
Zählst du Grashalme und Steine
Am Nachmittag ist Erntezeit
Und dein Lächeln
Leuchtet den Raps an

Das Tagwerk vollendet
Arme und Beine ermattet
Deckst du vergnügt den Tisch
Am Abend wird dein Tag lang
Und dein Lächeln
Macht mich froh

Aus der Tiefe

Durch die Falltür
Falscher Versprechen
Auf den Boden
Der Realität gestoßen.

Auf meiner Haut
Perlt der Tau des Morgen
Durch das Gitter
Klingt noch das Lied
Der vergangenen Sternennacht.

wund

am Flussufer verfangen
lausche ich
auf deinen Flügelschlag
warte, dass du wachsam
das Revier umkreist
mit deinem Schnabel
ordnend mir durchs Gefieder streifst
den Fisch für mich teilst.

Am Horizont drehst du Pirouetten
dein Gefieder gespreizt für eine
die mit dir fliegen kann
anmutig liegst du im Wind
ziehst ostwärts
suchst Ufer
ohne verfängliche Schatten
in deren Täuschungen Flügel brechen.

Zwischenräume

wenn in der Nacht
Regen an das Fenster klopft
lohnt es nicht, den Mond anzuheulen.
die Sehnsucht umarmt die Seele im Fiebersturm
es hilft nicht, das Herz mit Schnee zu kühlen.

wenn die Erde auf dem Feld unter Herbststürmen ächzt
die Vögel gen Süden fliegen
wenn die Astern welken und der Frohsinn Winterschlaf hält
flieht die Leichtigkeit das Haus
Einsamkeit quillt aus vertrauten Wänden.

am Morgen fallen alte Sterne
aus geöffneten Augen
sammle sie ein
wenn das Herz um sich schlägt
im Rhythmus des Erwachens
höre ihm zu

Unterwegs

Nachtlichternde Stadt
leuchtet Traumfängern
fremde Leben im Schatten
dröhnender Keller.

Vom Tag nicht satt
Nachtschwärmer suchen
unerfüllbaren Träumen
zu entgleiten.

von dir zu mir

dein wacher Blick
deine zärtlichen Hände
deine Worte webten den Vorhang
hinter dem ich verschwand.

Es schmerzt
den wärmenden Vorhang zu zerschneiden
mir selbst sichtbar zu werden.

Weg von dir
öffnet den Weg zu mir.

2012

weißer Tiger

Meine Gazellenseele stolpert
über den Graben deines Schweigens
der fette weiße Tiger schlägt
seine Zähne in meine Lenden
die Krallen fest gepresst
in mein schnellschlagendes Herz

Angst heißt mein Feind
Angst ist der Name des weißen Tigers

Frau aus Stein

Frau aus Stein
Klotz am Bein.
Frau ruht
sanft.

Unter dem Stein
bewegt sich ein Bein.
Bein tritt gegen Stein.

Stein bricht.
Bein bricht.
Frau schreit
Steine an.

vogelfrei

Du sangst ein Lied
in einer fremden Sprache
öffnetest mein Herz
Ich ließ dich ein
in mein Lebenshaus.

Wenn ich weinte
schlugst du mit den Flügeln
wenn du den Kopf einzogst
tanzte ich für dich.
Unmerklich dein Gesang verstummte
Schweigen veränderte uns.
Immer seltener ließ ich
Tür und Fenster offen
immer seltener
schlugst du mit den Flügeln.

Gestern
das Feuer im Kamin uns wärmte
in deinen Tränen
unsere Träume zerfielen.
Mein Herz wurde schwer
unsere Träume zerfielen.

Heute
mein Freund
flieg.

Es ist, was es ist

jedes Ende ein Anfang
vor einem Ende

was wir träumten, verloren
der Teppich, der uns trug, verbrannt
der Boden ist hart jetzt
meine Füße frieren.

kein sorgender Blick
kein Streicheln
keine wärmende Haut
dein Lachen verhallt.

dein Geruch am Sessel haftet
deine Schuhe im Flur
der Drache wartet noch immer
auf seinen ersten Flug.

Vor jedem Anfang ein Ende.

Was bleibt

Du sagtest
Freunde
und meintest
Absoultion.

Ich sagte
Vergebung
und meinte
bleib.

Jetzt schweigen wir beide.

2011

Die Zeit ist wie eine Feder

Unter Spannung schnellt sie an uns vorbei
wir hetzen atemlos hinterher.
Ohne Spannung verharrt sie reglos
und beschert uns endlose Momente.

2010

DAS

ist Landschaft
Nebel
Finsternis.
Finsternis macht blind.
Blind stolpert hörend durch Landschaft.

DAS
dunkelt stumm
schreit wortlos.
Blinder Angstnebelgeruch
macht taub.

Blind stolpert gegen Taub
fällt gegen
DAS
und bricht.

Die blinde Taube schmeckt Tau
fliegt
davon.

2008

So sehe ich uns

Die idealrealistische Beziehung:

liebevoll zärtliche
vertrauensvoll verlässliche
fordernd fördende
freudvoll neugierige
still kreischende
kraftvoll romantische
aneinander interessierte
Zweiheit

ticktack

Zeitschleife schmückt Sternenkopf.
Sternzeit Mädchenzeit
Nach zehn tickt die Zeitbombe.
Zeitlauf ist Wettlauf um die Laufzeit.

Zeitleiden
Leidenszeit
Zeitloses Leiden.
Eiszeit macht Frostkleid.

Still. Stand
Wartezeit
Lange Zeit
Zeitbombe.

Kopf ohne Schleife
Sternenhaar fällt
Kurze Zeit.
Lebenszeit Zeitverkürzung
Endzeit.

Auszeit
Zeitlebens
Bedenkzeit.

Zeit tickt.
Zeit zwickt.
Zeitbombe sprengt Frostkleid.
Tick Tack Neuzeit
Meine Zeit.

du

wenn wunschverzerrt mein himmel dunkelt
dein strahlen mich streift
wie möwenfeder im windigen spiel.

kurz vor dem fall
dein schweben über groben sand
meerweinen.
nadelspitze felsen bröseln zeit
ein schrei stummt zwischen uns
lebenswürgen erbricht versuchten gleichklang.
du wundest mich nicht.

das zittern deines atems mich wärmt
im schweben möwengleich.

2007

Eingang Mutterschoß

Ausgang Tod.
Gewissheit liegt auf der Strecke
Ichduersiees fragt sich durch
falsch undoder richtig
schwarz weiß unterbelichtete Vergangenheit.
So wird Zukunft buchstabiert.

Konsterniert spinnt die Alte
ihre Fäden jenseits der Welt.

Ohne Orientierung verliert sich
ichduersiees im Labyrinth
Nachrichten Wegweiser Lagerhäuser
Statistiken Fortsetzungen
Fortpflanzungen.
Inmitten der Landschaft Gärten
für die Zaungäste.
Ineinander verbissenen. Oben und unten
BildTonstörungen Verstörungen.
Die Welt ist schon besetzt.

Die Alte spinnt Auszeit im Labyrinth.
Im Vergangen ist Lebenszeit .

Vergangenheit zählt doppelt schnell
wächst Gras drüber.
Nur Gerüchte halten Hoffnung.

Wer an Märchen glaubt
strickt mit.

Zeit

Die Linie neben meinem Mund,
die Risse in der Haut.
Du, neben mir.
Ein Jahr.
Ein Atemzug.
Das Zittern meiner Stimme.
Dein Kuss.
Dein Mund. Plötzlich
zahnlos.
Mir bleibt die Stunde
den Verfall zu betrachten.
Dann wachsen Rosen
über mir.

Die Freundin

zertanzte Hochzeitsmärsche auf
regennassen Häuten wie
fremde Träume in meinem Blut
verfängt sich im Schleier
abgestandener Tage
mein Kuss wie täglich Brot.

Vor dem Verfall der Himmel
sprach die Priesterin letzten Trost
mit lustvollem Blick:
Mein Bauch hängt warm.
Ich habe gelbe Zähne.
Die Stadt, eine Mörderin.
Ich bin eine lachende Momentaufnahme.

Was fett wird, frisst sich selber

Wenn ihm ein Fehler,
in der Konstruktion seiner Bewegungen unterläuft,
schreit er.
Sie schlingt ihren Körper um den seinen.

Ihn so haltend,
ist sie bemüht,
seine Anstrengung zu ignorieren.
Er merkt, dass sie merkt.
So dauert es.
Wenn es dann kommt,
ihm oder ihr,
ist er sie erleichtert,
was ihn sie erleichtert.
Ende.

2006

Stille

Schwere des Schweigens
zwischen mir und mir
Entfernung.
Gleich fällt das Wort in den Grund.

Genug. Aufstehen.
Luft schnappen.
Ins Brötchen beißen.
Schlucken, spucken.
Weiße Mäuse lernen laufen.
Entgegen dem Tag, die Nacht.
Leichtigkeit des Schweigens
Zwischen mir und mir.
Jetzt.

1991

Der Sprung

Mein Tag heißt Sehnsucht
Freude
leises Warten.
Ich bin die Fliegerin.

Vor dem Absturz
öffne ich den Schirm.
Zwischen unseren Himmeln
falle ich blind
in dein Lächeln

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Hallo, ich bin Sylvia

systemische Therapeutin, Trauma-Coach und Bloggerin. Seit über 20 Jahren arbeite ich mit Paaren, Familien und Einzelpersonen daran, negative Kindheitsprägungen und frühe Traumata zu lösen und ein Leben voller Selbstvertrauen, inneren Frieden und emotionaler Stabilität zu führen.
Für ein erfülltes Leben in Verbundenheit.

Quietschfidel Wolken schaufeln
Mein Motto des Jahres 2024

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Frisch gebloggt:

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