Verhaltensmuster erkennen: Warum wir reagieren, wie wir reagieren
Warum reagieren wir in bestimmten Situationen immer wieder ähnlich, obwohl wir es eigentlich anders möchten? Warum ziehen wir uns zurück, passen uns an, übernehmen zu viel Verantwortung oder werden innerlich hart, selbst dann, wenn wir uns mehr Leichtigkeit wünschen? Verhaltensmuster zu erkennen kann helfen, solche Reaktionen besser zu verstehen, denn hinter ihnen stehen oft tief verankerte Verhaltensmuster, die sich im Laufe unseres Lebens entwickelt haben.
Diese Muster entstanden aus inneren Glaubenssätzen und frühen Erfahrungen, die unser Nervensystem zur Entwicklung bestimmter Schutzstrategien veranlasst haben. Dein Nervensystem glaubt noch heute, dass diese Schutzstrategien notwendig sind. Verhaltensmuster zu erkennen bedeutet nicht, dich zu analysieren oder zu optimieren, sondern es bedeutet, zu verstehen, warum bestimmte Reaktionen von dir so zuverlässig auftauchen und wofür sie einmal sinnvoll waren.
In diesem Artikel findest du eine Übersicht typischer Verhaltensmuster, die viele Menschen aus ihrem Alltag kennen. Ich beschreibe, wie sie sich zeigen, welche inneren Überzeugungen sie tragen und warum sie sich oft so hartnäckig halten. Dieser Artikel soll dir helfen, deine Reaktionen einordnen zu können. Denn Verstehen kann entlasten und manchmal öffnet genau das einen ersten Spielraum für Veränderung.
Die Anregung zu diesem Beitrag verdanke ich dem sehr eindrücklichen Artikel „Alte Bekannte: Die Liste der 200 fiesesten negativen Glaubenssätze“ von Birgit Elke Ising, in dem sie eine lange Liste negativer Glaubenssätze gesammelt hat. Sätze, die viele von uns früh gehört, übernommen oder verinnerlicht haben. Beim Lesen wurde mir einmal mehr deutlich, wie tief diese inneren Überzeugungen in unseren Alltag hineinwirken.
Verhaltensmuster im Alltag – eine Einordnung
Viele Verhaltensmuster prägen unseren Alltag, ohne dass wir sie bewusst wahrnehmen. Sie zeigen sich in wiederkehrenden Reaktionen, die oft lange selbstverständlich waren. Erst beim Innehalten wird sichtbar, wie vertraut sie uns sind und wie sehr sie unsere Reaktionen, Entscheidungen und Beziehungen prägen.
Dieser Artikel unterstützt dich dabei, Verhaltensmuster zu erkennen und besser zu verstehen, als Grundlage für mehr Klarheit und Selbstverständnis.
Was dich in diesem Beitrag erwartet:
Muster erkennen – warum Hinschauen dich entlasten kann
Viele unserer Verhaltensmuster entstehen nicht zufällig. Sie haben sich in Situationen entwickelt, in denen sie notwendig waren: um Bindung zu sichern, emotionale Überforderung zu bewältigen oder Verletzung zu vermeiden. Was heute für uns oft einschränkend wirkt, war früher eine kluge Anpassung an schwierige Umstände.
Deine Verhaltensmuster zu erkennen, bedeutet nicht, dich zu bewerten oder dich korrigieren zu müssen. Es geht mir darum, dass wir durch das Erkennen unserer Muster auch erkennen, was uns von der Lebensfreude fernhält, was wir im Verborgenen halten, weil wir glauben, sonst nicht zu genügen. Je mehr wir erkennen, was uns geprägt hat und was zu uns gehört, desto mehr Raum entsteht in uns und desto mehr Raum gestatten wir uns, im Leben einzunehmen. Wir legen alte Beschränkungen ab.
Damit dies gelingt, gilt es zunächst, wahrzunehmen, wann ein bestimmtes Muster aktiv wird und wofür es einmal hilfreich war. Diese Unterscheidung ist wichtig. Solange ein Muster unbewusst wirkt, bestimmt es deine Entscheidungen, Beziehungen und Selbstwahrnehmung im Hintergrund. Wird es sichtbar, entsteht ein kleiner Abstand. Dieser Abstand eröffnet dir Wahlmöglichkeiten und du kannst bewusster handeln.
Es geht nicht darum, dass du alle Muster gleichzeitig erkennst oder verstehst. Oft reicht es, ein oder zwei wiederkehrende Bewegungen in deinem Erleben wahrzunehmen. Schon das kann entlastend sein, weil es Ordnung schafft und das diffuse Gefühl von „Mit mir stimmt etwas nicht“ durch ein verständlicheres Bild von dir ersetzt.
Häufig verwechseln wir unbewusste Muster mit Identität. Wenn ich mich schüchtern oder ablehnend verhalte, dann muss ich ja auch so sein. Aber Muster sind keine Identität. Sie beschreiben Reaktionen und nicht das Wesen eines Menschen. Vielleicht sind die Schüchternheit oder das Poltrige meines Verhaltens auch nur ganz ursprüngliche Überlebensreaktionen.
Im Folgenden findest du 21 Verhaltensmuster, die ich identifiziert habe.
Anpassung & Selbstverkleinerung
Typische zugrunde liegende Glaubenssätze
- „Der Klügere gibt nach.“
- „Eigenlob stinkt.“
- „Nimm dich nicht so wichtig.“
- „Was sollen denn die anderen denken?“
- „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.“
Wie sich dieses Muster im Alltag zeigt
- Es fällt dir schwer, Nein zu sagen, selbst wenn dein Körper deutlich Widerstand signalisiert.
- Du stellst deine eigenen Wünsche zurück, um die Harmonie nicht zu gefährden.
- In Gesprächen ziehst du dich eher zurück, sobald Spannung entsteht.
- Lob fühlt sich für dich unangenehm an oder du relativierst es innerlich.
- Du überlässt Entscheidungen lieber anderen, um nicht anzuecken.
Innere Logik
Dieses Muster entsteht dort, wo Zugehörigkeit früh an Angepasstheit gekoppelt war. Nachgeben wurde für dich zur sicheren Strategie, um Kritik, Liebesentzug oder Beschämung zu vermeiden. Selbstverkleinerung schützt dich davor, sichtbar und damit angreifbar zu werden.
Überanpassung & Funktionieren
Typische zugrunde liegende Glaubenssätze
- „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“
- „Ohne Fleiß kein Preis.“
- „Man muss sich anstrengen.“
- „Nur wer leistet, ist etwas wert.“
- „Lehrjahre sind keine Herrenjahre.“
Wie sich dieses Muster im Alltag zeigt
- Du erlaubst dir Pausen erst, wenn alles erledigt ist, was selten eintritt.
- Müdigkeit, Hunger oder Überforderung übergehst du lange.
- Du übernimmst Aufgaben, obwohl deine eigenen Kapazitäten erschöpft sind.
- Erholung fühlt sich für dich nur dann legitim an, wenn sie verdient wurde.
- Du definierst deinen eigenen Wert stark über Leistung und Funktionieren.
Innere Logik
Wenn Anerkennung und Zuwendung früher an Leistung gebunden waren, wurde Funktionieren für dich zur inneren Pflicht. Dein Nervensystem bleibt permanent im Arbeitsmodus, weil Ruhe nicht als sicher erlebt wurde. Deine Bedürfnisse treten in den Hintergrund, um Bindung und Anerkennung nicht zu riskieren.
Überverantwortung & Kontrollbedürfnis
Typische zugrunde liegende Glaubenssätze
- „Wenn ich es nicht mache, macht es keiner.“
- „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“
- „Man kann sich auf niemanden verlassen.“
- „Man muss immer auf Nummer sicher gehen.“
- „Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner.“
Wie sich dieses Muster im Alltag zeigt
- Du übernimmst automatisch die Verantwortung, auch wenn sie geteilt werden könnte.
- Abgeben fällt dir schwer, selbst dann, wenn Entlastung dringend nötig wäre.
- Du bist hochgradig wachsam gegenüber den Fehlern oder Ausfällen anderer.
- Planung, Kontrolle und Absicherung vermitteln dir kurzfristig Beruhigung.
- Entspannung stellt sich für dich oft erst ein, wenn alles unter Kontrolle scheint.
Innere Logik
Dieses Muster entwickelt sich häufig in Umfeldern, die unberechenbar oder wenig verlässlich waren. Kontrolle ersetzt Vertrauen, weil sie dir ein Gefühl von Handlungsfähigkeit gibt. Überforderung fühlt sich für dich sicherer an als das Risiko, dich abhängig oder ausgeliefert zu erleben.
Härte gegen dich selbst
Typische zugrunde liegende Glaubenssätze
- „Ein Indianer kennt keinen Schmerz.“
- „Augen zu und durch!“
- „Stell dich nicht so an.“
- „Nur die Harten kommen in den Garten.“
- „Schwäche ist gefährlich.“
Wie sich dieses Muster im Alltag zeigt
- Mit dir selbst sprichst du deutlich strenger als mit anderen.
- Du relativierst Gefühle oder wertest sie innerlich ab.
- Durchhalten hat für dich Vorrang vor eigenen Bedürfnissen.
- Du nimmst deine eigenen Grenzen erst wahr, wenn dein Körper deutlich reagiert.
- Trost kannst du eher geben als annehmen.
Innere Logik
Wenn Gefühle früher nicht gehalten, sondern abgewertet wurden, entsteht innere Härte als Ersatzstütze. Selbstmitgefühl fühlt sich für dich unsicher oder nutzlos an. Härte hält dein System funktionstüchtig, verhindert aber Regeneration.
Bindung um jeden Preis
Typische zugrunde liegende Glaubenssätze
- „Du sollst Vater und Mutter ehren.“
- „Kinder müssen ihre Eltern lieben.“
- „Erwachsenen widerspricht man nicht.“
- „Man verlässt niemanden.“
- „Blut ist dicker als Wasser.“
Wie sich dieses Muster im Alltag zeigt
- Du rationalisierst oder entschuldigst Grenzverletzungen.
- Abgrenzung löst in dir schnell Schuldgefühle aus.
- Beziehungen erhältst du aufrecht, obwohl sie dir schaden.
- Eigene Bedürfnisse stellst du zugunsten von Loyalität zurück.
- Konflikte vermeidest du, um die Bindung nicht zu gefährden.
Innere Logik
Bindung ist für Kinder existenziell, auch dann, wenn sie schmerzhaft ist. Abgrenzung wurde bei dir mit Schuld oder Liebesentzug verknüpft. Loyalität erscheint für dich sicherer als Selbstschutz, weil Verlust oder Trennung einst zu bedrohlich waren.
Unsichtbarkeit & Rückzug
Typische zugrunde liegende Glaubenssätze
- „Ich darf nicht stören.“
- „Was ich sage, ist unwichtig.“
- „Nimm dich nicht so wichtig.“
- „Bescheidenheit ist eine Zier.“
- „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.“
Wie sich dieses Muster im Alltag zeigt
- Du äußerst kaum eigene Bedürfnisse.
- In Gruppen bleibst du eher beobachtend als beteiligt.
- Nach Kritik oder Konflikten ziehst du dich innerlich oder äußerlich zurück.
- Du vermeidest Sichtbarkeit, obwohl du in deinem Arbeitsfeld kompetent bist.
- In dir entsteht häufig das Gefühl, zwar anwesend, aber nicht wirklich gemeint zu sein.
Innere Logik
Unsichtbarkeit reduziert Angriffsfläche. Rückzug schützt dich vor Beschämung oder Zurückweisung. Das Muster dient deiner Selbstsicherung, kostet dich jedoch oft Lebendigkeit und Verbundenheit.
Daueranspannung & Misstrauen
Typische zugrunde liegende Glaubenssätze
- „Man weiß ja nie, was kommt.“
- „Trau, schau, wem.“
- „Du kannst niemandem trauen.“
- „Verlass dich auf andere und du bist verlassen.“
- „Freu dich bloß nicht zu früh.“
Wie sich dieses Muster im Alltag zeigt
- Auch in ruhigen Situationen bist du innerlich wachsam.
- Es fällt dir schwer, zu entspannen, selbst wenn objektiv keine Gefahr droht.
- Zusagen, Nähe oder Komplimente musst du innerlich auf ihre Glaubwürdigkeit prüfen.
- Freude lässt du nur gedämpft zu, um Enttäuschung zu vermeiden.
- Durch Grübeln und Absicherung ersetzt du Vertrauen.
Innere Logik
Unvorhersehbarkeit hat dein Nervensystem geprägt. Wachsamkeit vermittelt dir Kontrolle und verhindert böse Überraschungen. Entspannung fühlt sich für dich riskant an, weil sie mit Kontrollverlust verknüpft wurde.
Perfektionismus & Fehlerangst
Typische zugrunde liegende Glaubenssätze
- „Ich darf keine Fehler machen.“
- „Tu in allem dein Bestes.“
- „Entweder ganz oder gar nicht.“
- „Nur etwas, das mit Mühe erreicht wird, ist von Wert.“
- „Wer versagt, verliert.“
Wie sich dieses Muster im Alltag zeigt
- Du zögerst Aufgaben hinaus, weil deine Ansprüche sehr hoch sind.
- Fehler erlebst du als persönliches Versagen.
- Erfolge kannst du kaum genießen.
- Innere Kritik überwiegt bei dir gegenüber Anerkennung.
- Du wägst Entscheidungen lange ab, um Fehler zu vermeiden.
Innere Logik
Fehler waren bei dir früh mit Beschämung oder Liebesentzug verbunden. Perfektion dient dir heute als Schutz vor Kritik. Dafür ersetzt Kontrolle heute Sicherheit und verhindert deine Spontaneität.
Schutz durch Autonomie & Alleingänge
Typische zugrunde liegende Glaubenssätze
- „Bitte nie um Hilfe.“
- „Ich muss das alleine schaffen.“
- „Man kann nur sich selbst vertrauen.“
- „Abhängigkeit ist gefährlich.“
- „Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner.“
- „Schwäche zeigt man nicht.“
- „Ich brauche niemanden.“
Wie sich dieses Muster im Alltag zeigt
- Probleme und Belastungen trägst du lange alleine, auch wenn Unterstützung möglich wäre.
- Hilfe forderst du selten ein und nimmst sie meist erst dann an, wenn es kaum noch anders geht.
- Nach außen wirkst du souverän, kompetent und unabhängig.
- Nähe erträgst du nur dosiert, weil sich zu viel Einlassung für dich schnell unangenehm anfühlt.
- Geben fällt dir leichter als Empfangen.
Innere Logik
Abhängigkeit hast du als Kind als unsicher oder enttäuschend erlebt. Alleingänge vermitteln dir Kontrolle und Würde. Dieses Muster schützt dich vor erneuter Enttäuschung, verstärkt jedoch das Gefühl von Isolation in dir.
Schuld & Selbstabwertung
Typische zugrunde liegende Glaubenssätze
- „Ich bin schuld.“
- „Mit mir stimmt etwas nicht.“
- „Ich bin nicht gut genug.“
- „Ich falle zur Last.“
- „Ich genüge nicht.“
Wie sich dieses Muster im Alltag zeigt
- In Konflikten suchst du die Ursache zuerst bei dir selbst.
- Du entschuldigst dich auch ohne tatsächlich Schuld zu haben.
- Eigene Bedürfnisse erlebst du als übertrieben.
- Lob relativierst du oder kannst es nicht annehmen.
- Du übernimmst die Verantwortung für das Befinden.
Innere Logik
Die Übernahme von Schuld vermittelt dir eine scheinbare Form von Kontrolle. Die erlebte Ohnmacht wird dadurch für dich erträglicher. Über die Selbstabwertung stabilisierst du vertraute Beziehungsmuster.
Scham & Selbstverstecken
Typische zugrunde liegende Glaubenssätze
- „Ich bin falsch.“
- „Ich bin peinlich.“
- „Ich darf nicht auffallen.“
- „Wer bin ich schon, dass ich …“
- „Eigenlob stinkt.“
Wie sich dieses Muster im Alltag zeigt
- Situationen, in denen du im Fokus von Aufmerksamkeit stehst, etwa durch Lob, Nachfragen oder Interesse, beendest du schnell.
- In Gesprächen senkst du deinen Blick, deine Stimme wird leiser oder du wechselst das Thema, sobald es persönlicher wird.
- Du hältst deine Gedanken, Gefühle oder Erfahrungen zurück, auch wenn sie im Gespräch eigentlich passen würden.
- In Gruppen bleibst du körperlich anwesend, beteiligst dich aber wenig und wartest eher ab.
- Nach Momenten von Sichtbarkeit, wie einer Präsentation oder einem persönlichen Gespräch, entsteht in dir der Impuls, dich zurückzuziehen.
Innere Logik
Scham entsteht durch frühe Abwertung des eigenen Seins. Das Verstecken schützt dich vor erneuter Beschämung. Das Muster dient deinem Selbstschutz, nicht deiner Entfaltung.
Was wir Muster nennen, waren oft kluge Anpassungen und Überlebensstrategien. Erst wenn wir sie ansehen, verlieren sie einen Teil ihrer Macht über uns. – Sylvia Tornau
Selbstüberhöhung & innere Überlegenheit
Typische zugrunde liegende Glaubenssätze
- „Ich weiß es besser.“
- „Andere sind unreifer.“
- „Ich bin weiter als die meisten.“
- „Man muss stark sein.“
- „Nur die Tüchtigen kommen weiter.“
Wie sich dieses Muster im Alltag zeigt
- Du distanzierst dich schnell gegenüber anderen.
- Fehler oder Schwächen anderer lösen bei dir Ungeduld aus.
- Deine Gespräche kippen schnell in Belehrung oder Korrektur von anderen.
- Es fällt dir schwer, gleichwertige Nähe auszuhalten.
- Kritik ist für dich immer negativ, du kannst sie nur schlecht ertragen.
Innere Logik
Überlegenheit stabilisiert deinen fragilen Selbstwert. Der Abstand zu anderen schützt dich vor dem Gefühl von Minderwertigkeit. Dieses Muster verhindert Nähe, sichert dir jedoch innere Kontrolle.
Abwertung anderer
Typische zugrunde liegende Glaubenssätze
- „Die sind selbst schuld.“
- „Man muss sich nur zusammenreißen.“
- „Andere sind schwach.“
- „Die Welt ist nun mal hart.“
- „Man kann nicht auf jeden Rücksicht nehmen.“
- Wie sich dieses Muster im Alltag zeigt
Wie sich dieses Muster im Alltag zeigt
- Urteile entstehen in dir schneller als Mitgefühl.
- Andere Lebensweisen lösen in dir Abwehr aus.
- Du gehst eher in Distanz zu anderen, statt ihnen neugierig zu begegnen.
- Da, wo sich Verbindung anbahnt, unterbrichst du, indem du bewertest.
- In dir entsteht Ärger, sobald deine eigene Verletzlichkeit berührt wird.
Innere Logik
Abwertung verschiebt den inneren Druck, den du verspürst, nach außen. Dadurch musst du die eigene Unsicherheit nicht spüren. Dieser Abstand schützt dich vor dem Kontakt mit deinen verletzlichen Anteilen.
Rechthaberei & innere Starrheit
Typische zugrunde liegende Glaubenssätze
- „Wenn ich nachgebe, verliere ich.“
- „Ich habe recht.“
- „Man darf keine Schwäche zeigen.“
- „Diskussionen muss man gewinnen.“
- „Nur wer sich durchsetzt, zählt.“
Wie sich dieses Muster im Alltag zeigt
- Meinungsverschiedenheiten erlebst du schnell als Angriff.
- Eigene Standpunkte verteidigst du, auch wenn das Gespräch sich dadurch verhärtet.
- Das Eingestehen von Fehlern fällt dir schwer und du vermeidest es, in dem du immer neue Argumente findest, warum du doch recht hast.
- Deine Gespräche kippen schnell von Austausch in Argumentation.
- Kompromisse fühlen sich für dich wie verlieren an.
Innere Logik
Recht zu haben, vermittelt dir Stabilität und Halt. Diese Starrheit schützt dich vor dem Gefühl, falsch oder unsicher zu sein. Beweglichkeit in deinen Ansichten vermeidest du, weil das für dich Kontrollverlust bedeutet.
Zynismus & emotionale Distanz
Typische zugrunde liegende Glaubenssätze
- „Träume sind Schäume.“
- „Das Leben ist kein Ponyhof.“
- „Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.“
- „Freu dich bloß nicht zu früh.“
- „Erwartungen lohnen sich nicht.“
Wie sich dieses Muster im Alltag zeigt
- Du kommentierst Gefühle eher, als sie zuzulassen.
- Mit Ironie oder Sarkasmus überspielst du deine Betroffenheit.
- Du hältst andere auf Distanz, auch in vertrauten Beziehungen.
- Aufkeimende Hoffnung relativierst du sofort.
- Du vermeidest Enttäuschungen, indem du deine Erwartungen niedrig hältst.
Innere Logik
Emotionale Distanz schützt dich vor erneutem Schmerz. Mit Zynismus reduzierst du deine Verletzlichkeit. Das Muster bewahrt dich vor Enttäuschung, begrenzt jedoch zwischenmenschliche Tiefe und Verbundenheit.
Opferhaltung & erlernte Ohnmacht
Typische zugrunde liegende Glaubenssätze
- „Die Welt ist ungerecht.“
- „Das Leben ist schwer.“
- „Man kann nichts ändern.“
- „Es bringt ja doch nichts.“
- „Andere haben es besser.“
Wie sich dieses Muster im Alltag zeigt
- Du nimmst deine eigenen Handlungsspielräume kaum wahr.
- Entscheidungen zögerst du hinaus oder vermeidest sie.
- Schwierigkeiten ergibst du dich eher, als auf sie zu reagieren und Lösungen zu suchen.
- Du verlagerst Verantwortung meist nach außen.
- Resignation tritt bei dir an die Stelle von Bewegung.
Innere Logik
Deine Ohnmacht war real und nicht auflösbar. Dein Rückzug aus der Handlung schützt dich vor erneuter Enttäuschung. Deine Resignation spart Energie, verhindert jedoch deine Wirksamkeit.
Dauervergleich & innere Abwertung
Typische zugrunde liegende Glaubenssätze
- „Andere sind weiter als ich.“
- „Ich hinke hinterher.“
- „Mit mir stimmt etwas nicht.“
- „Alle anderen schaffen das.“
- „Ich bin nicht genug.“
Wie sich dieses Muster im Alltag zeigt
- Dein Blick richtet sich häufig auf die Leistungen anderer.
- Deine eigenen Fortschritte wirken im Vergleich unbedeutend.
- Falls du überhaupt einmal Zufriedenheit spürst, hält diese nur kurz an.
- Neid oder Selbstkritik entstehen schnell in dir.
- Die Vergleiche mit anderen verhindern, dass du innerlich zur Ruhe kommst, weil deine Gedanken kreisen.
Innere Logik
Der Vergleich ersetzt für dich eine fehlende innere Orientierung. Er soll dir Sicherheit geben, verstärkt jedoch das Gefühl von Mangel. Eigene Maßstäbe bleiben unscharf, weil dein Fokus sich immer nach außen richtet.
Harmoniezwang & Konfliktvermeidung
Typische zugrunde liegende Glaubenssätze
- „Der Klügere gibt nach.“
- „Streit zerstört Beziehungen.“
- „Man muss nett sein.“
- „Gute Miene zum bösen Spiel.“
- „Konflikte sind gefährlich.“
Wie sich dieses Muster im Alltag zeigt
- Du glättest Spannungen sehr früh oder übergehst sie.
- Du stellst eigene Bedürfnisse hinter die Bedürfnisse anderer.
- Ärger zeigst du nicht, sondern schluckst ihn runter.
- Du vermeidest es, klare Positionen zu beziehen.
- Nach außen wirkst du meist ruhig, innerlich sammelt sich aber Druck.
Innere Logik
Konflikte waren für dich in der Kindheit mit Liebesentzug oder Eskalation verbunden. Harmonie ist zu deiner Sicherheitsstrategie geworden. Dieser Beziehungsschutz geht vor deine Selbstklarheit.
Emotionales Abschalten & inneres Wegsein
Typische zugrunde liegende Glaubenssätze
- „Augen zu und durch.“
- „Reiß dich zusammen.“
- „Gefühle bringen nichts.“
- „Ich muss funktionieren.“
- „Schwäche ist gefährlich.“
Wie sich dieses Muster im Alltag zeigt
- Gefühle nimmst du nur gedämpft oder gar nicht wahr.
- Belastende Situationen bewältigst du funktional.
- Innere Leere tritt an die Stelle deiner Emotion.
- Du kannst Gefühle nur schwer benennen, während dein Körper mit Spannung, Müdigkeit oder Beschwerden reagiert.
- Nähe empfindest du als enorm anstrengend.
Innere Logik
Abschalten schützt dich vor emotionaler Überwältigung. Die Distanz zu anderen reduziert deine innere Spannung. Sicherheit entsteht bei dir durch Nichtspüren.
Rastlosigkeit & permanenter Aktivismus
Typische zugrunde liegende Glaubenssätze
- „Wer rastet, der rostet.“
- „Zeit ist Geld.“
- „Man darf keine Zeit verlieren.“
- „Ordnung ist das halbe Leben.“
- „Stillstand ist Rückschritt.“
Wie sich dieses Muster im Alltag zeigt
- Beschäftigung ist für dich ein Dauerzustand.
- Ruhe erzeugt Unruhe in dir.
- Aufkommende Stille füllst du sehr schnell mit Aktivität.
- Erschöpfung nimmst du zu spät wahr.
- Pausen wirken für dich sinnlos oder gar bedrohlich.
Innere Logik
Die Aktivität verhindert, dass du mit dir in Kontakt kommst. Mittels der Bewegung schaffst du Abstand zu ungesicherten inneren Zuständen. Deine Rastlosigkeit vermittelt dir das Gefühl von Kontrolle und damit Sicherheit.
Überangepasste Vernunft & Kopfdominanz
Typische zugrunde liegende Glaubenssätze
- „Man muss vernünftig sein.“
- „Gefühle sind unzuverlässig.“
- „Reiß dich zusammen.“
- „Träume sind Schäume.“
- „Mit dem Kopf entscheiden ist sicherer.“
Wie sich dieses Muster im Alltag zeigt
- Entscheidungen triffst du vor allem rational, auch wenn sich in dir etwas dagegen regt.
- Du analysierst, erklärst oder relativierst deine Gefühle, statt sie wahrzunehmen.
- Deine spontanen Impulse betrachtest du misstrauisch oder unterdrückst sie.
- Grübeln ersetzt bei dir das Spüren.
- Der Kontakt zu deinem Körper tritt hinter deinen Überlegungen zurück.
Innere Logik
Der Verstand übernimmt dort die Führung, wo emotionale Sicherheit gefehlt hat. Denken schafft für dich Ordnung und Distanz. Du kontrollierst deine Gefühle, um Überforderung zu vermeiden.
Wie du deine eigenen Verhaltensmuster erkennst
Vielleicht ist dir beim Lesen aufgefallen, dass sich manche Reaktionen in mehreren Mustern wiederfinden. Das ist kein Fehler in der Darstellung, sondern ein Hinweis darauf, wie unsere Schutzmechanismen funktionieren. Unsere Reaktionen überlagern sich. Ein Verhalten kann mehreren inneren Mustern dienen, je nach Situation, Beziehung oder Lebensphase.
Entscheidend ist deshalb nicht, alle Muster klar voneinander zu trennen oder dich in einer Kategorie „wiederzufinden“. Wichtiger ist die Frage, wann ein bestimmtes Muster bei dir aktiv wird und in welchem Zusammenhang. Manche Muster zeigen sich vor allem in engen Beziehungen, andere im Arbeitskontext, wieder andere dann, wenn es um Sichtbarkeit, Leistung oder Abgrenzung geht.
Zudem entwickeln wir im Laufe unseres Lebens unterschiedliche Muster. Was in der Kindheit oder Jugend hilfreich war, kann später an Bedeutung verlieren oder sich in veränderter Form zeigen. Das bedeutet auch: Du bist nicht ein Muster. Du hast Muster. Und diese dürfen sich verändern, ohne dass du dich neu erfinden musst. Der erste Schritt dazu ist die bewertungsfreie Akzeptanz, dass in dir dieses Muster existiert.
Oft reicht es, wenn du ein oder zwei wiederkehrende Reaktionen in deinem eigenen Erleben genauer beobachtest. Wann und in welchem Lebensbereich treten sie auf? Wie reagierst du, wenn sie auftreten? Was könnte der Grund dafür sein, dass sie genau in diesen Situationen auftreten? Schon dieses Erkennen kann entlastend sein, weil es dir Orientierung gibt und deinen Blick auf dich freundlicher werden lässt und auf das, was einmal notwendig war, auch wenn du es heute vielleicht nicht mehr brauchst.
Ein Muster erkannt – und jetzt?
Manche Muster lassen sich nicht allein sortieren.
In einer Coachingsitzung schauen wir gemeinsam darauf, was sich bei dir zeigt,
welche Funktion deine Reaktionen haben und was du im Moment brauchst.
Du kannst hier direkt eine Sitzung buchen
Herzliche Grüße









Liebe Birgit, das freut mich sehr. Du hast da ja auch eine beeindruckende Liste an Glaubenssätzen hingezaubert.
Liebe Grüße
Sylvia
Liebe Sylvia, ich freue mich darüber, dass ich Dich zu diesem wertvollen Artikel inspirieren konnte.
Herzliche Grüße
Birgit