12tel-Blick-März: Wenn mehr zu sehen ist
In diesem Jahr mache ich bei der Foto-Gemeinschaftsaktion 12tel-Blick mit. Die Idee, über zwölf Monate hinweg immer wieder denselben Ort zu fotografieren, interessiert mich nicht nur fotografisch. Mich reizt vor allem, über einen längeren Zeitraum bei einem Motiv zu bleiben und wahrzunehmen, wie sich dieser Ort – und mein Verhältnis zu ihm – verändert.
Dies ist der dritte Beitrag der Reihe – mein 12tel-Blick März. Wenn du neu dabei bist, findest du den Anfang hier und den Februar hier.
Was dich in diesem Beitrag erwartet:
Mein 12tel-Blick März– was sich im Garten verändert hat

Der Tisch unter dem Apfelbaum im März – Blüten im Gras, mehr Licht, mehr Farbe und ein Platz, der wieder nutzbar wird.
Auf den ersten Blick wirkt vieles vertraut. Der Baum ist noch kahl und der Tisch steht unter ihm. Neu hinzugekommen sind die beiden der Sonne zugewandten Stühle. Die Futterschale, die vorher im Baum hing, liegt jetzt auf dem Tisch.
Die Blüten, die im Februar noch vereinzelt zwischen dem Gras auftauchten, sind jetzt deutlicher da. Ich muss nicht mehr danach suchen. Mein Blick bleibt an ihnen hängen, auch wenn ich mich nicht bewusst darauf konzentriere. Die Blüten in Lila und das Gelb setzen sich vom Boden ab und der Boden strahlt in der Sonne in den frischesten Grüntönen.
Auch der Apfelbaum hat sich verändert. Die alten Äpfel, schrumpelig und schon gärend, sind verschwunden. Einige lagen bereits am Boden, weich geworden. Ich habe sie, gemeinsam mit meiner Tochter, abgeschüttelt und eingesammelt, bevor sie aufplatzen und diesen süßlich-faulen Geruch entwickeln konnten, der sich sofort in der Nase festsetzt. Jetzt ist der Baum leer und die ersten zarten Blattknospen zeigen sich. Ich kann darunterstehen, ohne nach oben schauen zu müssen, um nicht von einer Apfelstinkbombe getroffen zu werden.
Auch das Licht hat sich verändert und damit die Farben und meine Stimmung. Die Sonne liegt auf meinem Gesicht, und ich drehe es ihr entgegen. Meine Schultern geben ein wenig nach. Die Spannung, die im Winter ganz selbstverständlich da war, muss ich nicht mehr halten.
Was mein Körper wahrnimmt, wenn ich stehen bleibe
Ich merke, wie sich mein Wahrnehmen verändert, während ich in den Garten schaue. Im Februar war da diese wache Aufmerksamkeit, ein inneres Ausgerichtetsein darauf, ob sich etwas zeigt. Das ist jetzt anders. Ich nehme wahr, ohne zu suchen: Die Blüten und das Licht sind da und mein Körper reagiert darauf, noch bevor ich diese Wahrnehmung einordne.
Die Sonne liegt auf meinem Gesicht und ich spüre, wie meine Stirn weicher wird. Meine Schultern geben nach, ein Stück nur, aber deutlich genug, dass ich es bemerke. Das innere Gewicht verringert sich, ich fühle mich leichter. Auch mein Atem wird ruhiger, ohne dass ich ihn beeinflusse. Er passt sich meiner Entspannung an, während ich dort stehe.
Das ist einer dieser Momente, in denen mein Nervensystem registriert, dass es gerade nichts zu kontrollieren gibt. Dass es hier nicht notwendig ist, die Umgebung ständig abzuscannen. Der Fokus meiner Aufmerksamkeit wird weiter. Ich sehe nicht mehr nur einzelne Stellen, sondern den Zusammenhang: den Baum, den Tisch, die Blüten im Gras, das Licht dazwischen.
In der Körperarbeit ist das ein deutliches Zeichen. Ein enger, fokussierter Blick gehört oft zu einem Zustand, in dem das Nervensystem auf Sicherheit bedacht ist, aufmerksam, bereit zu reagieren. Ein weiter werdender Blick zeigt etwas anderes: Es ist gerade genug Ruhe da, um wahrzunehmen, ohne eingreifen zu müssen. Ich stehe mit dem Handy in der Hand im Garten und merke, wie sich genau das einstellt, als Reaktion meines Körpers auf das, was ihn umgibt.
Ich gehe noch einen Schritt auf den Tisch zu und lege meine Hand auf die Lehne des Stuhls. Das Holz ist kühl, aber nicht mehr eiskalt. Einen Moment verharre ich so und in mir macht sich Vorfreude breit. Vorfreude auf die kommenden Wochen.
Was ist der 12tel-Blick – und wie funktioniert die Aktion?
Die Idee des 12tel-Blicks ist einfach: Man sucht sich einen Ort und einen festen Bildausschnitt und fotografiert diesen über ein Jahr hinweg einmal im Monat, möglichst aus derselben Perspektive. So entsteht eine Bildreihe, die sichtbar macht, wie sich Landschaft, Licht, Jahreszeiten und Atmosphäre verändern.
Angeregt hat mich der Blogbeitrag von Angela Carstensen, in dem sie ihren 12tel-Blick zeigt und ihren eigenen Zugang dazu beschreibt. Die Aktion geht auf Eva Fuchs zurück, die den 12tel-Blick seit vielen Jahren begleitet und die Idee dahinter beschreibt. Dort gibt es auch eine Linkliste zu weiteren 12tel-Blicken.
Neben den einzelnen Blogbeiträgen gestalte ich im Laufe des Jahres eine Collage, in die jeden Monat das jeweilige Bild einzieht – so entsteht nach und nach ein Gesamtbild, das nicht nur Veränderungen dokumentiert, sondern Zusammenhänge sichtbar macht: Übergänge, Wiederholungen, langsame Verschiebungen. Diese Collagen teile ich auf InLinkz und trage sie von dort in die jeweilige Linkparty ein. Für mich ist das eine Form, Entwicklung nicht nur punktuell festzuhalten, sondern als fortlaufenden Prozess zu begleiten, und eine Erinnerung daran, wie viel sich zeigen kann, wenn ich über längere Zeit bei etwas bleibe.
Hier ist meine 12tel-Blick-Collage vom März 2026:
Fortsetzung folgt.









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