Sicherer Ort – 5 Gründe, warum ich diese Übung nutze

Fünf Gründe, warum ich den

Menschen, die in ihrer Kindheit Traumata erlebt haben, fühlen sich häufig unsicher. In einer Zeit, in der sie Sicherheit und Geborgenheit erfahren sollten, wurden sie verletzt und verstört, nicht selten von genau den Personen, die ihnen Sicherheit und Geborgenheit vermitteln sollten: Eltern, Geschwister, erweiterte Familie. Das hat Auswirkungen darauf, wie sie später durchs Leben gehen. Unsicher und nicht wissend, was Sicherheit ist, wem sie vertrauen können, wem nicht. Diese Unsicherheit zieht sich durch ihr gesamtes Leben und betrifft ihre eigenen Wahrnehmungen, ihre nahen Beziehungen ebenso wie ihre Beziehungen im Außen – auf der Arbeit, in Schule und Studium, in Gruppen. Hier setzt die Übung“sicherer Ort“ an.

Unsicherheit kann quälend sein und dein Nervensystem in der Übererregung gefangen halten. Diese permanente Anspannung führt zu Erschöpfung und dies kann zu weiteren körperlichen Störungen führen – Überempfindlichkeit der Sinne, Schmerzen, Zerfahrenheit.
Der „Sichere Ort“ ist eine Übung, mittels derer du für dich selbst einen Raum der Sicherheit in dir schaffst. Es ist eine Fantasiereise zu einem von dir selbst geschaffenen Ort, zu dem niemand außer dir Zugang hat. In diesem Beitrag erfährst du die 5 Gründe, warum ich als traumasensibler Coach diese Methode zu Beginn einer Zusammenarbeit gern einsetze.

Am sicheren Ort macht das übererregte Nervensystem Pause

Die mit der Unsicherheit verbundene permanente Wachsamkeit ist anstrengend für deinen Körper und für dein Nervensystem. Ein Großteil der Lebensenergie, die dir pro Tag zur Verfügung steht, verschwindet in diesen Prozessen und steht dir für anderes nicht zur Verfügung. Du nimmst dir viel vor, hast viele gute Ideen für deinen Tag, doch am Ende des Tages machst du dir viele Vorwürfe, weil du wieder nur einen Bruchteil davon umgesetzt hast. Du spürst den gesamten Tag über Anspannung, sobald du mit anderen Menschen in Kontakt kommst.

Der sichere Ort ist ein Ort, den du selbst in dir erschaffst, und an dem du zur Ruhe kommen kannst. Zu meinem sicheren Ort gehört eine Blumenwiese ohne Krabbeltiere, nah am Meer. Egal zu welcher Zeit ich mich auf diese Wiese lege, es scheint immer die Sonne, es rauscht immer das Meer. Wenn ich dort einschlafe, schlafe ich ein, ohne Angst vor bösen Überraschungen.

Es gelten am sicheren Ort nur deine Grenzen, deine Regeln

Böse Überraschungen gibt es nicht an deinem sicheren Ort. Weil du ihn nach deinen Vorstellungen erschaffst. Ist es ein Haus auf dem Gipfel eines Berges, eine einsame Insel oder ein lichtdurchflutetes Höhlensystem? Du entscheidest, wie dein Ort gestaltet ist. Du entscheidest, ob dich dort jemand besuchen darf, wie das Wetter ist, wie der Ort gestaltet ist. Damit schaffst du die Sicherheit, die du brauchst. Egal, ob du Mauern, eine undurchdringliche Glaskuppel oder sonstige Abwehrmechanismen einbaust, sie sind für andere unüberwindbar.

Mein sicherer Ort ist eine Insel. Diese wird beschützt von tausenden Haien, die nichts und niemanden durchlassen. Sie sind meine Wächter und sie hören auf meine Wünsche. Will ich im Meer baden gehen, ziehen sie sich zurück und lassen mir den Raum, sodass ich mich von ihnen nicht bedroht fühle.

Der sichere Ort ist ein Ort der Freiheit für deine verletzten Anteile

Je häufiger du deinen sicheren Ort aufsuchst, desto mehr Türen öffnen sich in dir. Deine verletzten Anteile, die sich sonst tief in dir verstecken, spüren, dass an diesem Ort etwas anderes ist. Dass du anders bist, entspannter, gelassener. Wenn du es zulässt und bereit dafür bist, gibt ihnen das den Mut, hervorzukommen, das Tageslicht zu sehen und sich dir zu zeigen. Vielleicht nicht sofort, aber sie beobachten dich und wenn sie das Gefühl haben, du hältst es aus, ihnen zu begegnen, dann zeigen sie sich dir.

Auf meiner grünen Blumen-Insel habe ich die verletzten Anteile zum ersten Mal gesehen. Das im Schatten liegende Kind, die kleine Malerin, den neugierigen Entdecker, die vor sich hin summende Tierfreundin. Die ersten Male unserer Begegnung haben wir nicht miteinander gesprochen. Jede:r ist dem nachgegangen, worauf er/sie Lust hatte, wir haben einander auch nicht beobachtet, sondern waren einfach nur da. Entspannt in der Gegenwart der anderen.

An deinem sicheren Ort kannst du herausfinden, wer du sein willst

An diesem Ort musst du nichts tun, nichts bearbeiten, es geht einfach nur darum zu sein. Hast du Lust, zeigst du deinen inneren Anteilen den Ort, ihr spielt zusammen oder bepflanzt gemeinsam den Garten – wenn es denn an deinem sicheren Ort einen Garten gibt. Du hast dort keine Aufgabe, nichts zu bewältigen, sondern du bist einfach nur da. Wenn du etwas tust, tust du es, weil du es tun willst. Ohne Erwartung, dass es ein Ergebnis geben muss, ohne den Druck dir selbst oder jemandem etwas beweisen zu müssen. Du kannst in der Sonne liegen, ohne die Bewertung faul. Du kochst oder bäckst nicht, weil du hungrig bist, sondern weil es dir gerade Freude macht. Egal, ob du gärtnerst, schreinerst, malst, schreibst, Marathon läufst, Häuser baust, du tust es, weil du Freude daran hast.

Für mich waren die Impulse, denen ich am sicheren Ort folgte, wertvolle Hinweise auf das, was ich wirklich sein will. Erdverbunden, kreativ und frei. Ich liebe es, an der Luft zu sein, in der Natur, Vögel und Käfer zu beobachten – absichtslos, ohne sie zu erforschen oder sonst etwas „sinnvolles“ daraus zu machen. Je öfter ich dies an meinem sicheren Ort tat, desto häufiger gelang mir dies auch in der richtigen Welt. Ich hörte auf, alles, was ich tat, zu hinterfragen. Ich tue es, weil es mir guttut und das habe ich, ohne es zu wollen, an meinem sicheren Ort gelernt.

In Stressmomenten bietet der sichere Ort dir einen Rückzugsraum

Ein stressiges Meeting, Streit mit einem anderen Menschen, das Gefühl ungerecht behandelt zu werden oder das Gefühl, für den anstehenden Vortrag viel zu aufgeregt, für den Einkauf viel zu ängstlich zu sein – all das sind Momente, in denen es hilfreich sein kann, den inneren Ort aufzusuchen. Für einen Moment zur Ruhe zu kommen, das Nervensystem zu beruhigen und die Sicherheit zu spüren, die dir im Alltag draußen noch fehlt.

Mir zum Beispiel hilft es sehr, wenn ich vor einer Situation, von der ich weiß, dass sie mich verunsichert, mir ein paar Minuten Zeit nehme. Vor der Verteidigung meiner Masterarbeit war ich komplett verunsichert. Ich wusste, dass es einen Professor in der Kommission gibt, der mir nicht wohlgesonnen war. Das verunsicherte mich derart, dass ich alles, was ich geschrieben hatte, anzweifelte. Ich zweifelte an der Sinnhaftigkeit dessen, was ich geschrieben hatte. In den Tagen vor der Verteidigung suchte ich regelmäßig meinen sicheren Ort auf, tankte mich auf, mit Wohlgefühl und Vertrauen in mich. Während der Verteidigung hielt ich die innere Verbindung zu meinem sicheren Ort und bestand souverän die Prüfung.

Du willst wissen, wie diese Übung geht? Dann lies meinen Beitrag „So schaffst du dir deinen sicheren Ort„, in dem ich beschreibe, wie du dir deinen sicheren Ort erschaffen kannst und wie du dort hinfindest. 

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Hallo, ich bin Sylvia

systemische Therapeutin, Trauma-Coach und Bloggerin. Seit über 20 Jahren arbeite ich mit Paaren, Familien und Einzelpersonen daran, negative Kindheitsprägungen und frühe Traumata zu lösen und ein Leben voller Selbstvertrauen, inneren Frieden und emotionaler Stabilität zu führen.
Für ein erfülltes Leben in Verbundenheit.

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