12tel-Blick-Mai: Grün in allen Schattierungen
In diesem Jahr mache ich bei der Foto-Gemeinschaftsaktion 12tel-Blick mit. Die Idee, über zwölf Monate hinweg immer wieder denselben Ort zu fotografieren, interessiert mich nicht nur fotografisch. Mich reizt vor allem, über einen längeren Zeitraum bei einem Motiv zu bleiben und wahrzunehmen, wie sich dieser Ort – und mein Verhältnis zu ihm – verändert.
Dies ist der vierte Beitrag der Reihe – mein 12tel-Blick April. Wenn du neu dabei bist, findest du den März hier und den April hier.
Was dich in diesem Beitrag erwartet:
Mein 12tel-Blick Mai– was sich im Garten verändert hat
Der Apfelbaum hat sich geschlossen. Was im April noch durchsichtig war, einzelne Blätter, Äste und dahinter der Himmel, ist jetzt ein dichtes Blätterdach. Der Tisch darunter ist kaum noch zu sehen, weil wir ihn verrückt haben. Im Mai haben wir gearbeitet: den Müllberg in der rechten Gartenecke beräumt, Bäume beschnitten, neue Büsche gepflanzt und einen Gartenteich ausgehoben. Der Garten hat sich verändert, weil wir Hand angelegt haben.
Die Apfelblüte habe ich verpasst. Ich habe darauf gewartet, und mich gewundert, dass sie nicht kam. Erst als ich Andreas, meinen Mann, fragte, war die Auflösung da: Die Apfelblüte war da, aber nur drei Tage lang, während ich in Griechenland war. Das machte mich etwas wehmütig. Und gleichzeitig ist es etwas, das zum 12tel-Blick passt: Nicht alles kann festgehalten werden. Manches passiert einfach, ob ich dabei bin oder nicht.
Was mir der Garten stattdessen gegeben hat: den ersten Rasenschnitt. Dieser Duft nach frisch gemähtem Gras, verbindet sich bei mir sofort mit etwas weit Zurückliegendem. Urlaub mit Tante Marianne in Gießübel in Thüringen. Ich verbrachte ganze Nachmittage auf der Decke auf der frisch gemähten Wiese, eingehüllt in diesen Geruch. Wenn der Rasenmäher losgeht, bin ich kurz dort. Das geht schnell, und es ist jedes Mal schön. Tante Marianne hat mich resilient gemacht, und das spüre ich, wenn ich den Grasduft einatme.
Was mein Körper wahrnimmt
Am Samstag vor Pfingsten habe ich mir einen ganzen Tag in der Hängematte gegönnt. Ich war so erschöpft, dass ich mir die Zeit gegönnt habe. Ich habe gelesen, in den Himmel geschaut, wieder gelesen und viel geschlafen. Der Apfelbaum über mir war ein Dach aus verschiedenen Grüntönen. Dieses Grün beruhigt mich auf eine Weise, die ich nicht erklären kann. Es erinnert mich an all die verzauberten Orte, an denen mir so eine Vielfalt an Grün begegnet ist: Irland, Schottland und die Hohe Tatra.
Am Abend war ich erholter, als hätte ich den Tag im Bett verbracht. Draußen sein, in diesem dichten Grün, im Wechsel von Lesen und Dösen und Stille, das ist für mich Energie tanken. Der Garten gibt mir zurück, was mich der Monat gekostet hat.
Was ist der 12tel-Blick – und wie funktioniert die Aktion?
Die Idee des 12tel-Blicks ist einfach: Man sucht sich einen Ort und einen festen Bildausschnitt und fotografiert diesen über ein Jahr hinweg einmal im Monat, möglichst aus derselben Perspektive. So entsteht eine Bildreihe, die sichtbar macht, wie sich Landschaft, Licht, Jahreszeiten und Atmosphäre verändern.
Angeregt hat mich der Blogbeitrag von Angela Carstensen, in dem sie ihren 12tel-Blick zeigt und ihren eigenen Zugang dazu beschreibt. Die Aktion geht auf Eva Fuchs zurück, die den 12tel-Blick seit vielen Jahren begleitet und die Idee dahinter beschreibt. Dort gibt es auch eine Linkliste zu weiteren 12tel-Blicken.
Neben den einzelnen Blogbeiträgen gestalte ich im Laufe des Jahres eine Collage, in die jeden Monat das jeweilige Bild einzieht – so entsteht nach und nach ein Gesamtbild, das nicht nur Veränderungen dokumentiert, sondern Zusammenhänge sichtbar macht: Übergänge, Wiederholungen, langsame Verschiebungen. Diese Collagen teile ich auf InLinkz und trage sie von dort in die jeweilige Linkparty ein. Für mich ist das eine Form, Entwicklung nicht nur punktuell festzuhalten, sondern als fortlaufenden Prozess zu begleiten, und eine Erinnerung daran, wie viel sich zeigen kann, wenn ich über längere Zeit bei etwas bleibe.
Hier ist meine 12tel-Blick-Collage vom Mai 2026:
Fortsetzung folgt.










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