12tel-Blick Januar: Ankommen im Garten in Neukieritzsch
In diesem Jahr mache ich bei der Foto-Gemeinschaftsaktion 12tel Blick mit. Die Idee, über zwölf Monate hinweg immer wieder denselben Ort zu fotografieren, interessiert mich nicht nur fotografisch. Mich reizt vor allem, über einen längeren Zeitraum bei einem Motiv zu bleiben und wahrzunehmen, wie sich dieser Ort – und mein Verhältnis zu ihm – verändert. Vielleicht gefällt dir diese Aktion ja und du bekommst Lust, dich auch daran zu beteiligen.
Was dich in diesem Beitrag erwartet:
Warum mich die Aktion 12tel-Blick reizt
Ich fotografiere gern. Aber der eigentliche Grund, warum ich bei dieser Aktion mitmache, hat weniger mit den Bildern zu tun als mit meiner Aufmerksamkeit. Und mit der Frage, worauf ich meinen Blick richte und wie lange.
In meinem Alltag, auch in meiner Arbeit, erlebe ich immer wieder, wie leicht wir in ein inneres Getriebensein geraten: Wir reagieren, planen, machen weiter, haben sofort das Nächste im Blick. Das Nervensystem bleibt dabei oft in einer Art Dauerbereitschaft, so, wie ich es auch in meiner Arbeit zum Thema Trauma und Nervensystem beschreibe.
Fokus halten bedeutet für mich, bewusst einen anderen Rhythmus zu wählen. Dabei geht es darum, präsenter zu werden. Wirklich wahrzunehmen, was da ist, statt sofort zu entscheiden, was daraus werden soll. Wenn ich das in die Sprache des Nervensystems übersetze, heißt das: Wiederkehrendes und Verlässliches hilft uns, innerlich ruhiger zu werden. Und erst wenn diese innere Ruhe da ist, kann sich Neugier wirklich entfalten. Und damit trifft die Aktion 12tel-Blick für mich auch den Kern von emotionaler Selbstregulation.
Der 12tel-Blick ist für mich eine sehr konkrete Übung darin. Es gibt diesen einen Ort, einen Fokus-Ausschnitt und immer wieder denselben Standpunkt. Das nimmt den Druck von mir, etwas „Besonderes“ produzieren zu müssen, und schafft Raum für etwas anderes: für Beobachtung und für Beziehung. So stellt sich dann auch Vertrautheit ein.
Ein Platz in meinem Garten – Warum dieses Motiv?
Jetzt, im zweiten Jahr, verändert sich etwas. Meine Neugier auf diesen Garten ist gewachsen. Ich beginne, genauer hinzuschauen: auf das, was hier schon da ist, was sich zeigt, und auf das, was sich entwickeln könnte. Den Garten nicht nur funktional zu nutzen, sondern ihn als Lebens- und Gestaltungsraum für mich anzunehmen, fühlt sich wie ein weiterer Schritt des Ankommens an. Vielleicht auch wie eine Erweiterung dessen, worum es in der Arbeit mit dem Nervensystem geht, eine Erweiterung und Regulierung meines Window of Tolerance: durch mehr inneren Spielraum und mehr Sicherheit im Wahrnehmen.
Ich erhoffe mir von dieser Aktion, diesen Prozess bewusster zu begleiten. Monat für Monat denselben Ort zu fotografieren, heißt für mich, eine Beziehung aufzubauen, nicht nur zu diesem Platz, sondern auch zu meinem Bedürfnis nach Orientierung und Verlässlichkeit und zu dem, was sich in mir mit der Zeit beruhigt und ordnet. Wenn ich das in die Sprache des Nervensystems übersetze, heißt das: Wiederkehrendes und Verlässliches helfen mir, mich zu regulieren und innerlich ruhiger zu werden. Und erst wenn diese innere Ruhe da ist, kann sich Neugier wirklich entfalten, und ich will neugierig bleiben, bis ins hohe Alter 😍.
Wie die Foto-Gemeinschaftsaktion 12tel-Blick funktioniert
Die Idee des 12tel-Blicks ist einfach: Man sucht sich einen Ort und einen festen Bildausschnitt und fotografiert diesen über ein Jahr hinweg einmal im Monat, möglichst aus derselben Perspektive. So entsteht eine Bildreihe, die sichtbar macht, wie sich Landschaft, Licht, Jahreszeiten und Atmosphäre verändern.
Angeregt hat mich der Blogbeitrag von Angela Carstensen, in dem sie ihren Januar-Blick zeigt und ihren eigenen Zugang dazu beschreibt. Die Aktion geht auf Eva Fuchs zurück, die den 12tel-Blick seit vielen Jahren begleitet und die Idee dahinter beschreibt.
Für mich beginnt diese Reihe hier: mit meinem Garten, mit diesem Platz, mit der Entscheidung, nicht nur zu dokumentieren, sondern über ein Jahr hinweg aufmerksam in Beziehung zu bleiben.
Wie ich den 12tel-Blick für mich festhalte
Neben den einzelnen Blogbeiträgen werde ich im Laufe des Jahres eine Collage gestalten, in die jeden Monat das jeweilige Bild einzieht. So entsteht nach und nach ein Gesamtbild, das nicht nur Veränderungen dokumentiert, sondern Zusammenhänge sichtbar macht: Übergänge, Wiederholungen, langsame Verschiebungen.
Diese Collagen werde ich auf InLinkz teilen und von dort aus auch in die jeweilige Linkparty eintragen. Für mich ist das eine Form, Entwicklung nicht nur punktuell festzuhalten, sondern als fortlaufenden Prozess zu begleiten. So wächst Bild für Bild nicht nur eine Dokumentation dieses Ortes, sondern auch eine Erinnerung daran, wie viel sich zeigen kann, wenn man über längere Zeit bei etwas bleibt, und wie darin manchmal ganz nebenbei auch mehr Freude im Alltag entsteht.
Für mich beginnt diese Reihe hier: mit meinem Garten, mit diesem Platz, mit der Entscheidung, nicht nur zu dokumentieren, sondern über ein Jahr hinweg aufmerksam in Beziehung zu bleiben.
Hier ist meine erste 12tel-Blick-Collage vom Januar 2026:
Dies ist der Anfang einer Reihe und einer Beziehung, die wachsen darf. Ich bin gespannt, wie sich dieser Ort und mein Blick auf ihn im Lauf der Monate verändern werden.
Fortsetzung folgt.










Liebe Eva, unaufgeregt-verheißungsvoll, das gefällt mir. Danke! Liebe Grüße Sylvia
Liebe Rosi, danke für deinen Kommentar. Da sind wir ja schon zwei, die gespannt sind, wie es sich entwickelt. ? Liebe Grüße Sylva
Wie wundervoll, dass du mit von der Partie bist! Das Jännerbild ist so unaufgeregt-verheißungsvoll. Ich freue mich einfach auf das was da noch kommt!
sehr interessant deine Motivation für diese Link Party zu erfahren
und ein schönes Motiv hast du ausgesucht
ich bin gespannt wie es sich entwickelt
liebe Grüße
Rosi
Das freut mich sehr, liebe Angela. Danke für deine Rückmeldung. Liebe Grüße, Sylvia.
Liebe Syvia, das freut mich sehr, dass du auch dabei bist. Ich stimme dir zu, dass das mehr ist als ein Photoprojekt und mehr als nur eine ästhetische Betrachtung. Dein Motiv hat durch diese vielen roten Äpfel, die noch im Baum hängen, so etwas Märchenhaftes und durch den Tisch etwas Einladendes. Auf die kommenden Monate freue ich mich auch sehr und auch darauf, über deine Beziehung zu deinem Garten zu lesen.
Liebe Grüße
Angela