12tel-Blick-April: Üppiges Wachsen
In diesem Jahr mache ich bei der Foto-Gemeinschaftsaktion 12tel-Blick mit. Die Idee, über zwölf Monate hinweg immer wieder denselben Ort zu fotografieren, interessiert mich nicht nur fotografisch. Mich reizt vor allem, über einen längeren Zeitraum bei einem Motiv zu bleiben und wahrzunehmen, wie sich dieser Ort – und mein Verhältnis zu ihm – verändert.
Dies ist der vierte Beitrag der Reihe – mein 12tel-Blick April. Wenn du neu dabei bist, findest du den Februar hier und den März hier.
Was dich in diesem Beitrag erwartet:
Mein 12tel-Blick April – was sich im Garten verändert hat
Der Tisch steht noch immer unter dem Apfelbaum. Die geblümte Tischdecke ist inzwischen schmutzig und das Sitzkissen auf dem Stuhl dient dem Halten meiner Körperwärme. Im Hintergrund siehst du das Gestell für meine Hängematte, die im April tatsächlich mal für 2 Stunden rausdurfte.
Dieser April war sehr durchwachsen und nur mäßig sonnig. Die Wochenenden hatten ihr eigenes Programm und wollten mich ärgern, denn sie zeigten sich meistens in Wolken gehüllt und warfen mit Regen nach mir. Aber es gab dieses eine kurze Zeitfenster: Ich lag, die Sonne über mir, ein Buch in den Händen, zwei Stunden lang in der Hängematte. Für mich ist das Luxus: bewusst genommen und bewusst genossen.
Der Garten stört sich nicht an menschlichen Befindlichkeiten. Er ist, was er ist, und nimmt das Wetter, wie es kommt. Der Regen hat sich ausgetobt und getan, was Regen im April tut: Er hat alles angetrieben. Das Gras ist hoch geworden und die Frühblüher haben sich ausgebreitet. Überall drängt etwas nach oben, wächst und zeigt sich. Es sieht nicht ordentlich aus, aber es gefällt mir vielleicht gerade deshalb: Es sieht lebendig aus.
Ich mag diese Veränderungen sehr und das Üppige erfreut mich. Es erinnert mich daran, dass natürliches Wachstum keine Erlaubnis braucht.
Was mein Körper wahrnimmt
Ich lag in der Hängematte, das Buch auf dem Bauch, und merkte irgendwann, dass ich gar nicht mehr lese. Mein Blick wanderte durch die ersten Blätter des Apfelbaums nach oben. Meine Schultern entspannten sich dabei, fielen nach unten und wurden breiter. Ich nehme in der Hängematte offenbar mehr Raum ein, als ich es sonst tue.
Raum einzunehmen gelingt mir in der Natur schneller und unbewusster als drinnen. Wenn ich aufhöre, den Garten zu betrachten, und einfach darin bin, atmen wir im gleichen Takt, der Garten und ich. Eine ganz eigene Art von Co-Regulation. Ich werde still, so still, dass selbst der sonst ständig spürbare Tremor in meinen Händen ruhiger wird. Mein Puls beruhigt sich und ich atme so tief, wie es mir in geschlossenen Räumen selten gelingt.
Was ist der 12tel-Blick – und wie funktioniert die Aktion?
Die Idee des 12tel-Blicks ist einfach: Man sucht sich einen Ort und einen festen Bildausschnitt und fotografiert diesen über ein Jahr hinweg einmal im Monat, möglichst aus derselben Perspektive. So entsteht eine Bildreihe, die sichtbar macht, wie sich Landschaft, Licht, Jahreszeiten und Atmosphäre verändern.
Angeregt hat mich der Blogbeitrag von Angela Carstensen, in dem sie ihren 12tel-Blick zeigt und ihren eigenen Zugang dazu beschreibt. Die Aktion geht auf Eva Fuchs zurück, die den 12tel-Blick seit vielen Jahren begleitet und die Idee dahinter beschreibt. Dort gibt es auch eine Linkliste zu weiteren 12tel-Blicken.
Neben den einzelnen Blogbeiträgen gestalte ich im Laufe des Jahres eine Collage, in die jeden Monat das jeweilige Bild einzieht – so entsteht nach und nach ein Gesamtbild, das nicht nur Veränderungen dokumentiert, sondern Zusammenhänge sichtbar macht: Übergänge, Wiederholungen, langsame Verschiebungen. Diese Collagen teile ich auf InLinkz und trage sie von dort in die jeweilige Linkparty ein. Für mich ist das eine Form, Entwicklung nicht nur punktuell festzuhalten, sondern als fortlaufenden Prozess zu begleiten, und eine Erinnerung daran, wie viel sich zeigen kann, wenn ich über längere Zeit bei etwas bleibe.
Hier ist meine 12tel-Blick-Collage vom April 2026:
Fortsetzung folgt.










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