12tel-Blick August: Wie Mozarts kleine Nachtmusik
Willkommen zurück am Gartentisch unter dem Apfelbaum. Nachdem der Juni seine Blühkraft entfaltet hatte und der Juli sich wie Herbst zeigte, hat sich der Garten im August noch einmal gewandelt. Diesmal, in der Dämmerung, zeigt er sich wie verzaubert und erdet mich.
Was dich in diesem Beitrag erwartet:
Mein 12tel-Blick Juli– was sich im Garten verändert hat
Auch im August ist alles da: die beiden Stühle am Gartentisch unter dem Apfelbaum, die Wäsche hinten im Garten. Im Baum leuchtet eine Solarlampe und auf dem Tisch steht eine Laterne, die flackerndes Kerzenlicht auf die Tischdecke wirft. Das Foto ist entstanden, bevor ich mich mit Andreas an den Tisch gesetzt habe. Im Moment, den ich eingefangen habe, ist der Platz noch leer, aber er strahlt schon voller Erwartung. Die Vögel sind an diesem Abend längst verstummt, nur das Wasser im Teich plätschert leise vor sich hin. Das Licht der Solarlampen gibt dem Garten eine Tiefe, die er tagsüber nicht hat, und das löst in mir sofort ein Zuhause-Gefühl aus.
Was mein Körper wahrnimmt
Ich sitze nicht oft abends an diesem Tisch, im Alltag komme ich selten dazu. Aber wenn ich dort sitze, an so einem Abend, möchte ich in genau diesem Moment nirgendwo anders sein. Der warme Nachtwind streichelt meine Haut, und um mich herum beruhigt sich alles, genauso wie in mir. Es ist, als würde ich Mozarts kleiner Nachtmusik lauschen. Da ist eine Leichtigkeit in mir und ich fühle mich gewärmt und wie verzaubert. Als würde sich ein Lächeln von meinem Gesicht in meinen ganzen Körper ausbreiten.
Erst im Nachgang wird mir bewusst, warum das so ist. Ich spüre, wie geerdet und verbunden ich mich an diesem Abend fühle, und dieses Gefühl führt mich zurück zu dem Moment, kurz nach der Geburt meiner Tochter. Ich war erschöpft, aber die Schmerzen waren vorbei, als sie mir zappelnd in die Arme gelegt wurde, mit einem zarten Baby-Krähen. Ihre Wärme, ihr Gewicht auf meinem Körper, die nassen, damals noch schwarzen Haare und ihr Geruch, der mich mehr berührte als alles andere, der meine Sinne öffnete. Sobald sie in meinem Arm lag, verstummte sie, ganz so, als wüsste sie, dass ich da bin und dass ich das bin, was sie in diesem Moment brauchte.
Ich kannte bis dahin kein Zuhause. Ich fühlte mich wie ein Fremdkörper in dieser Welt. Erst durch diese Begegnung spürte ich zum ersten Mal meine Verbindung zur Erde. Einen Halt, der aus dem körperlichen Wissen kam, dass ich für dieses Kind verantwortlich war und für seinen Schutz zuständig. In diesem Moment verwandelte ich mich von einem Fremdkörper in dieser Welt zur schützenden Höhle für mein Kind. Und dadurch wurde diese Welt zu meinem Zuhause.
Genau dieses Wissen ist es, das an solchen Sommerabenden unter dem Apfelbaum wieder anklopft. Es ist dieselbe Verbundenheit, auch wenn heute kein Baby mehr auf mir ruht, sondern der warme Wind über meine Haut streicht und das Plätschern des Wassers im Teich von der Lebendigkeit der Natur zeugt. Aber dieser Moment erzeugt dasselbe Gefühl in mir: Ich bin zu Hause, weil ich verbunden bin.
Was ist der 12tel-Blick – und wie funktioniert die Aktion?
Die Idee des 12tel-Blicks ist einfach: Man sucht sich einen Ort und einen festen Bildausschnitt und fotografiert diesen über ein Jahr hinweg einmal im Monat, möglichst aus derselben Perspektive. So entsteht eine Bildreihe, die sichtbar macht, wie sich Landschaft, Licht, Jahreszeiten und Atmosphäre verändern.
Angeregt hat mich der Blogbeitrag von Angela Carstensen, in dem sie ihren 12tel-Blick zeigt und ihren eigenen Zugang dazu beschreibt. Die Aktion geht auf Eva Fuchs zurück, die den 12tel-Blick seit vielen Jahren begleitet und die Idee dahinter beschreibt. Dort gibt es auch eine Linkliste zu weiteren 12tel-Blicken.
Neben den einzelnen Blogbeiträgen gestalte ich im Laufe des Jahres eine Collage, in die jeden Monat das jeweilige Bild einzieht – so entsteht nach und nach ein Gesamtbild, das nicht nur Veränderungen dokumentiert, sondern Zusammenhänge sichtbar macht: Übergänge, Wiederholungen, langsame Verschiebungen. Für mich ist das eine Form, Entwicklung nicht nur punktuell festzuhalten, sondern als fortlaufenden Prozess zu begleiten, und eine Erinnerung daran, wie viel sich zeigen kann, wenn ich über längere Zeit bei etwas bleibe.
Hier ist meine 12tel-Blick-Collage vom August 2026:
Fortsetzung folgt.










Wie schön, dass du mit der Nachtmusik etwas Ähnliches verbindest und der Garten für dich das ausstrahlt, was er für mich auch ausstrahlt. Macht mich etwas nachdenklich, dass ich beim Schreiben nicht auf das Wort „Geborgenheit“ gekommen bin.
Danke für deinen Kommentar, liebe Angela
Wow, wie unterschiedlich dieser Ort wirkt, je nach Beleuchtung! Aus dem Bild strahlt für mich echt Liebe und Geborgenheit heraus.
Als meine Mutter mit mir schwanger war, hat sie viel die Kleine Nachtmusik gehört, das hat mich sehr abgeholt, wie du diese Musik mit diesem Sommerabend verbunden hast. Ich verbinde mit diesem Stück anscheinend etwas sehr Ähnliches.
Vielen Dank fürs Mitnehmen in deinen Garten!
Angela