12tel-Blick Juli: Es sieht nur aus wie Herbst
Willkommen zurück am Gartentisch unter dem Apfelbaum. Nachdem der Mai sich in allen Grüntönen zeigte, und der Juni seine Blühkraft entfaltete, hat sich der Garten auch im Juli verwandelt. Diesmal zeigt er sich in einem frühherbstlichen Bild.
Was dich in diesem Beitrag erwartet:
Mein 12tel-Blick Juli– was sich im Garten verändert hat
Diesmal steht nur ein Stuhl am Tisch unter dem Apfelbaum – der zweite ist an den Teich gewandert, zu der neuen Sitzecke, die wir für die Gäste heute Abend gebaut haben. Hinter dem Apfelbaum zeigt sich der neue Wäscheständer, und am Rand des Gartens eine Schubkarre, die von unserer aktuellen Gartenarbeit erzählt. Das Gras wirkt fast herbstlich, strohig, stellenweise schon vergilbt, all das ist der Hitze des Julis geschuldet, die vieles verbrannt hat.
Auch die Büsche, die wir im Mai eingepflanzt haben, tragen die Spuren dieses Sommers. Was im Frühjahr noch zarte Blätter trug, sind jetzt nur noch Strünke, an denen ein paar welke Blätter hängen. Das macht mich traurig. Wir hatten sie extra ausgesucht, weil Vögel gern in ihnen leben und Futter finden, und ich hatte gehofft, sie würden bis zum nächsten Frühjahr wachsen und blühen. Jetzt, wenn ich zu den vertrockneten Strünken schaue, meldet sich als Erstes die Stimme, die mir sagt, ich hätte etwas falsch gemacht beim Pflanzen oder bei der Pflege. Die Traurigkeit sitzt mir dann im Hals und in den Augen, ich spüre, da wollen Tränen raus. Zum Glück bemerke ich diese Vorwurfsstimme heute sehr schnell und dann kann ich auch andere Stimmen zulassen. Stimmen, die relativieren und mich daran erinnern, dass drei Wochen Hitze auch gut gepflegten jungen Wurzeln nur wenig Chancen lassen.
Und ja, das Bild mutet schon sehr herbstlich an, dabei sind wir noch mitten im Sommer.
Was mein Körper wahrnimmt
Die Sommersonnenwende war ja schon im Juni, doch jetzt im Juli lässt sich die Veränderung an der Zeit ablesen. Anfang des Monats Juli habe ich noch um 21:30 Uhr im Dämmerlicht den Garten gegossen. Ende Juli dämmerte es schon kurz nach 20 Uhr.
Ich spüre in mir ein Aufbegehren gegen die herannahende Zeit der Dunkelheit. Wenn ich an die Dunkelheit des Herbstes denke, spüre ich eine Unsicherheit in mir. Ich bin viel mit dem Auto unterwegs und komme oft erst gegen 20 oder 21 Uhr nach Hause. Ich hasse es, im Dunkeln zu fahren, weil mich die Scheinwerfer der anderen Autos blenden, und ich das Gefühl habe, nicht weit genug sehen zu können. Diese vorweggenommene Vorstellung, gespeist aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre, nimmt mir für einen Moment das echte Erleben von Jetzt. Denn jetzt ist Sommer und nicht Herbst.
Die herbstliche Vorahnung mitten im Sommer will ich nicht haben, deshalb erde ich mich, um wieder in mein Jetzt-Gefühl zu kommen. Ich stelle mich dafür barfuß in den Garten und laufe ein Stück über den erwärmten Boden, in Zeitlupe. Dabei spüre ich jeder Bewegung nach: Was geht gut und welche Bewegung fällt mir gerade etwas schwerer? Beuge ich das Knie bewusst, dann knirscht es manchmal schon. Setze ich den Fuß wieder auf dem Boden ab, berühren erst meine Zehen den Boden, und dann der ganze Fuß. Das strohige Gras kitzelt und ist gleichzeitig angenehm. Nach zwei, drei Schritten richte ich den Blick bewusst auf die üppige Blütenpracht unseres Wildblumenstreifens. Die Farben signalisieren mir: Es ist Sommer. Zum Abschluss bücke ich mich und atme mehrmals sehr bewusst den Duft der Blüten ein.
Ich erzähle meinem Kopf nicht, dass es Sommer ist, sondern ich lasse es meinen Körper erfahren.
Was ist der 12tel-Blick – und wie funktioniert die Aktion?
Die Idee des 12tel-Blicks ist einfach: Man sucht sich einen Ort und einen festen Bildausschnitt und fotografiert diesen über ein Jahr hinweg einmal im Monat, möglichst aus derselben Perspektive. So entsteht eine Bildreihe, die sichtbar macht, wie sich Landschaft, Licht, Jahreszeiten und Atmosphäre verändern.
Angeregt hat mich der Blogbeitrag von Angela Carstensen, in dem sie ihren 12tel-Blick zeigt und ihren eigenen Zugang dazu beschreibt. Die Aktion geht auf Eva Fuchs zurück, die den 12tel-Blick seit vielen Jahren begleitet und die Idee dahinter beschreibt. Dort gibt es auch eine Linkliste zu weiteren 12tel-Blicken.
Neben den einzelnen Blogbeiträgen gestalte ich im Laufe des Jahres eine Collage, in die jeden Monat das jeweilige Bild einzieht – so entsteht nach und nach ein Gesamtbild, das nicht nur Veränderungen dokumentiert, sondern Zusammenhänge sichtbar macht: Übergänge, Wiederholungen, langsame Verschiebungen. Für mich ist das eine Form, Entwicklung nicht nur punktuell festzuhalten, sondern als fortlaufenden Prozess zu begleiten, und eine Erinnerung daran, wie viel sich zeigen kann, wenn ich über längere Zeit bei etwas bleibe.
Hier ist meine 12tel-Blick-Collage vom Juli 2026:
Fortsetzung folgt.










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