12tel-Blick Juni: Erblühen in voller Kraft
Willkommen zurück am Gartentisch unter dem Apfelbaum. Nachdem im April alles in üppigem Wachsen stand und der Mai sich in allen Grüntönen zeigte, hat sich der Garten im Juni noch einmal verwandelt. Diesmal geht es um Licht und Schatten und um eine alte Erinnerung, der dieser Garten wieder ein Tor geöffnet hat.
Was dich in diesem Beitrag erwartet:
Mein 12tel-Blick Juni– was sich im Garten verändert hat
Die Decke auf dem Tisch unter dem Apfelbaum ist leicht verrutscht. Auf dem Tisch steht eine Flasche Limonade und hinter den Tischbeinen lugen die im vergangenen Herbst gepflanzten Rosen hervor, als würden sie mich neugierig anschauen.
Was mich in diesem Juni-Bild zuerst gepackt hat, ist das intensive Spiel von Licht und Schatten. Es ist nicht das gleichmäßige Sommerlicht der Postkarten, sondern ein lebendiges Wechselspiel zwischen hell und dunkel, das für mich genauso zum Juni gehört wie die üppige Fülle von Farben und Gerüchen.
Bei diesem Anblick rührt sich in mir etwas Altbekanntes.
Was mein Körper wahrnimmt
Als Kind waren meine besten Freunde die Kastanienbäume auf dem Schulhof. Ich wohnte direkt gegenüber der Schule. Die Kastanien waren Riesen für mich, und das Wichtigste: Sie waren immer da. Im Sommer war das Gras unter ihnen so weich, dass ich stundenlang darin liegen konnte. Die Blätter raschelten über mir, und ich sprach mit den Bäumen. Jeder hörte sich für mich ein wenig anders an. Hier war der Ort, an dem ich alles vergessen konnte, denn niemand wollte etwas von mir. Diese Kastanien waren meine Freunde, die liebevollsten Wesen, die ich zu dieser Zeit kannte. Ich fühlte mich damals in meinem Leben nicht behütet und nicht willkommen. Aber unter diesen Bäumen war das anders.
Genau diese Verbundenheit ist es, die jetzt wieder in mir anklopft, wenn ich hier vor dem Tisch stehe. Ich fühle sie so intensiv wie damals, aber freier. Heute bin ich nicht mehr in Not. Ich suche die Natur nicht mehr, um zu vergessen. Ich darf einfach nur da sein, mit ihr und in ihr, hier in diesem Garten, der mein Zuhause ist.
Während ich hier stehe, sehe und rieche ich das satte, frische Grün, spüre ich die Sonne auf der Haut und erfreue mich an dem Licht-und-Schatten-Spiel auf dem Gras und in den Bäumen. Diese Fülle an Wahrnehmung macht mich weich und hoffnungsfroh. Ich spüre eine Weite in mir und fühle die Einladung, mich genauso auszubreiten wie diese Natur, die gerade in voller Kraft steht. Ich habe das Gefühl, üppig zu sein und mich zu strecken, auszubreiten. Zu erblühen, mit all der Kraft, die längst in mir ist, die Kraft, die ich als Kind unter den Kastanien zum ersten Mal gespürt habe, und die dieser Garten mir heute zurückgibt.
Was ist der 12tel-Blick – und wie funktioniert die Aktion?
Die Idee des 12tel-Blicks ist einfach: Man sucht sich einen Ort und einen festen Bildausschnitt und fotografiert diesen über ein Jahr hinweg einmal im Monat, möglichst aus derselben Perspektive. So entsteht eine Bildreihe, die sichtbar macht, wie sich Landschaft, Licht, Jahreszeiten und Atmosphäre verändern.
Angeregt hat mich der Blogbeitrag von Angela Carstensen, in dem sie ihren 12tel-Blick zeigt und ihren eigenen Zugang dazu beschreibt. Die Aktion geht auf Eva Fuchs zurück, die den 12tel-Blick seit vielen Jahren begleitet und die Idee dahinter beschreibt. Dort gibt es auch eine Linkliste zu weiteren 12tel-Blicken.
Neben den einzelnen Blogbeiträgen gestalte ich im Laufe des Jahres eine Collage, in die jeden Monat das jeweilige Bild einzieht – so entsteht nach und nach ein Gesamtbild, das nicht nur Veränderungen dokumentiert, sondern Zusammenhänge sichtbar macht: Übergänge, Wiederholungen, langsame Verschiebungen. Diese Collagen teile ich auf InLinkz und trage sie von dort in die jeweilige Linkparty ein. Für mich ist das eine Form, Entwicklung nicht nur punktuell festzuhalten, sondern als fortlaufenden Prozess zu begleiten, und eine Erinnerung daran, wie viel sich zeigen kann, wenn ich über längere Zeit bei etwas bleibe.
Hier ist meine 12tel-Blick-Collage vom Mai 2026:
Fortsetzung folgt.










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