Von Kaffeepausen bis Kräuternetzwerken: Was Frauensolidarität im Alltag bedeutet

Kaffeetassen auf einem Holztisch als Symbol für Frauensolidarität im Alltag und weibliche Verbundenheit

Das Thema Frauensolidarität begleitet mich durch mein Leben. Wie wichtig es ist, zeigte mir das Erlebnis einer Freundin, die nachts, auf einer schlecht beleuchteten Straße von einem Mann verfolgt wurde. Eine Fahrradfahrerin bemerkte dies und sie hielt an. Sie begleitete meine Freundin, bis der Mann sich abwandte.

Diese gelebte Form der Frauensolidarität hat mich nicht losgelassen. Sie berührte mich so, dass ich sie zur Grundlage meiner Blogparade “Frauensolidarität – Müssen wir wirklich allein stark sein?” gemacht habe.

Die Beiträge, die daraufhin eingegangen sind, haben mich in ihrer Vielfalt überrascht. Die Teilnehmerinnen schrieben über Kräuterfreundschaften und Kaffeepausen, über Sprache und Sichtbarkeit, über das Schweigen von Müttern und das Weinen von Freundinnen. Und alle kreisten um dieselbe Erkenntnis: Stärke entsteht nicht im Alleingang, sie entsteht in der Verbindung zu anderen.

In diesem Artikel findest du alle Beiträge gesammelt und kurz zusammengefasst. Lass dich berühren und überraschen. Vielleicht erkennst du dich selbst in dem, was diese Frauen geschrieben haben.

Frauensolidarität – die Beiträge

Hinweis: Die Sätze sind alphabetisch geordnet. Wenn du auf einen Satz klickst, öffnet sich eine kurze Zusammenfassung des jeweiligen Beitrags sowie der Link zum vollständigen Text.

Beitragstitel: Frauensolidarität

Angela Carstensen wuchs mit einer Schwester auf und das, sagt sie, hat ihr Bild von Frauen geprägt. Die beiden bildeten ein “solides, zusammengeschweißtes Duo”, das sich gegenseitig verteidigte. Konkurrenz zwischen Frauen? Dies war für Angela immer wie eine Parallelwelt.

Doch ihr Beitrag bleibt nicht in der Welt der eigenen Erfahrung. Angela rückt eine Frage in den Mittelpunkt, die man sich selten so explizit stellt: Wen konsumieren wir eigentlich? Wessen Musik läuft in unseren Playlists, wessen Bücher stehen in unseren Regalen, wessen Stimmen empfehlen wir weiter? Ihr Algorithmus, stellt sie fest, spielt ihr vor allem Musik von Männern zu, und sie selbst hat diesen Loop lange mitgespielt.

Was Angela fordert, ist Aufmerksamkeit. Sie empfiehlt den Bechdel-Test als Grundlage für die bewusste Entscheidung, eine Frau weiterzuempfehlen. Für Angela ist Solidarität eine tägliche Entscheidung.

Zum Beitrag von Angela Carstensen:
https://angela-carstensen.de/frauensolidaritaet/

Beitragstitel: Gendern – wozu?

Barbara Kast eröffnet ihren Beitrag mit einem Satz, der fast wie eine Entschuldigung klingt und doch keine ist: “Die Diskussion über Gendern nervt schon.” Nur eben nicht, weil sie diese Diskussion, wie im gesellschaftlichen Kanon gesehen, als unnötig und übertrieben ansieht, sondern weil Barbara davon überzeugt ist: Wer Sprache versteht, weiß, dass diese Diskussion längst entschieden ist.

Ihr Leitsatz lautet “Sprache schafft Wirklichkeit” und sie macht das sehr konkret: Frauen, die im Berufsalltag sprachlich “mitgemeint” sind, sind eben nicht sichtbar. Nicht erwähnt ist nicht vorhanden. Das hat strukturelle Folgen: In Österreich erhalten Frauen über vierzig Prozent weniger Rente als Männer, und das nicht, weil sie weniger gearbeitet haben, sondern weil das System auf einen Mann zugeschnitten war, dem zu Hause eine Frau alles abnahm.

Barbara ist gelassen, beinahe amüsiert in ihrem Ton. Sie vergleicht das Gendern mit dem Verblassen des Begriffs “wilde Ehe”. Das ist ein Wort, das junge Menschen heute kaum noch kennen, weil sich die Realität verändert hat. Die Erde dreht sich weiter und Sprache trägt zu Veränderungen bei. Frauensolidarität beginnt für Barbara auch damit, auf der Sichtbarkeit von Frauen zu bestehen.

Zum Beitrag von Barbara Kast:
https://www.barbarakast.at/gendern-wozu/

Beitragstitel: Frauensolidarität beginnt mit einer sichtbaren Pause

Christina Reinisch trinkt jeden Donnerstagmorgen Kaffee im Café. Und sie hört den Satz: “Ach, du sitzt schon wieder hier und trinkst Kaffee?!” Mal von Bekannten, mal von Freundinnen, ein Satz, den sie nicht als Frage versteht, sondern als Urteil.

Was dieses Urteil verrät, macht Christina in ihrem Beitrag sehr klar: Wir haben gelernt, dass Pause gleich Faulheit bedeutet. Vor allem bei Frauen. Dabei ist Christinas Kaffeepause manchmal echte Erholung und manchmal unsichtbare Arbeit. Sie beobachtet und findet dabei Ideen fürs Schreiben. Was die Kaffeepause für sie in keinem Fall ist: Faulheit.

Christinas Beitrag ist eine Einladung zum Umdenken. Denn wer die eigene Pause sichtbar lebt, im Café, im Park oder auf der Bank am Springbrunnen, normalisiert sie für andere. Und wer aufhört, andere Frauen innerlich für ihre Ruhezeiten zu verurteilen, schafft etwas für sich selbst: einen Raum, in dem Erschöpfung nicht mit Versagen gleichgesetzt wird. “Da beginnt für mich echte Solidarität”, schreibt Christina.

Zum Beitrag von Christina Reinisch:
https://deinkoerper-deinweg.de/frauensolidaritaet-pause/

Beitragstitel: Frauensolidarität: Verbindet uns Frauen zu sein oder die Kräuter?

Inga beginnt mit einer Frage, die sich so nicht viele stellen: Sind ihre engsten Freundschaften entstanden, weil sie Frauen sind oder weil sie alle Kräuter lieben? Ihre Antwort: wahrscheinlich beides. Die Natur, sagt sie, ist eine “heimliche Kupplerin der Frauensolidarität.”

Was folgt, ist eine warmherzige Aufzählung von Frauen, die sich über die Liebe zu Kräutern verbinden. Da gibt es Janine, die Wildpflanzen bestimmt. Alina, die Jugendfreundin, mit der Inga sich über den gemeinsamen Blick aufs Grüne neu gefunden hat. Michi, die nach einer Kräuterwanderung einfach getrocknete Kräuter schickte, oder Raphaela, mit der sie geheime Sammelplätze tauscht. Diese Netzwerke entstehen zwischen Kräutertees und Waldwegen, manchmal im direkten persönlichen Austausch, manchmal auch online.

Inga schreibt auch über das, was manchmal nicht klappt. Auf fünf Enttäuschungen gibt es einen Erfolg und das reicht ihr. Was bleibt, ist das Bild einer Frau, die ihrem Netz vertraut, weil sie es sich selbst gesponnen hat. Mit Händen, die nach Kräutern riechen.

Zum Beitrag von Inga (die Wildkrautbraut):
https://wildkrautbraut.de/frauensolidaritaet/

Beitragstitel: Soloselbstständigkeit & Frauensolidarität. Warum wir nicht allein stark sein müssen.

Als Melanie Merz sich selbstständig machte, bekam sie einen Satz mit auf den Weg: “Da machst du alles allein.” Eine Warnung, die einer Prophezeiung glich und die sie entschlossen war, nicht wahr werden zu lassen.

Melanies Beitrag ist eine Art Dankesliste. Sie nennt die Frauen, die sie begleitet haben: Trainerinnen, Coaches, Beraterinnen, eine Sachbearbeiterin der Arbeitsagentur, die kurz vor Fristablauf noch einmal anrief. Und sie nennt die unsichtbaren Lehrerinnen. Frauen, deren Blogtexte und Selbstlernkurse sie inspirierten, ohne dass diese je wussten, dass sie existiert. Frauen, die sagten: “Hey, ich glaube an dich und an das, was du in die Welt bringst.”

Besonders berührt hat mich eine kleine Szene in ihrem Beitrag: Melanie beschreibt eine Freundin, die sich einfach zu ihr auf den Boden gesetzt hat, als die Umsätze schlecht waren und nichts half außer Dasein. Melanie brauchte in diesem Moment keine Ratschläge und keine Lösungen. Sie brauchte nur diese eine Freundin, die neben ihr saß.

Die Wonder Woman, schreibt Melanie, ist ein Mythos, denn wir wachsen am besten gemeinsam.

Zum Beitrag von Melanie Merz:
https://www.melaniemerz.com/blog/selbststaendigkeit-und-frauensolidaritaet

Beitragstitel: Sie weinte die Tränen, die ich nicht weinen konnte – was Frauensolidarität wirklich bedeutet

Auch ich selbst habe zur Blogparade beigetragen, mit einer Geschichte, die für mich ein Auslösemoment für Veränderungen in meinem Leben war.

Im Alter von neunzehn Jahren saß ich mit meiner Mitbewohnerin Heike auf dem Sofa und erzählte meine Geschichte. Ich erzählte sehr sachlich, fast unbeteiligt, so wie ich damals meinen Schmerz tragen musste. Heike hielt meine Hand. Und sie weinte die Tränen, die ich noch gar nicht zulassen konnte.
Dieser Abend hat mein Bild von Frauensolidarität geprägt wie kaum ein anderer.

In meinem Beitrag gehe ich der Frage nach, warum Vertrauen zu anderen Frauen manchmal so schwerfällt und was es damit zu tun hat, wenn die erste Frau im Leben, die Mutter, wegschaut. Ich schreibe über die Konkurrenzlogik, die viele von uns gelernt haben, und darüber, wie Frauen anfangen können, sich gegenseitig wirklich zu sehen, ohne zu fragen, ob die andere es “verdient” hat.

Frauensolidarität bedeutet für mich: gesehen werden, ohne bewertet zu werden. Und selbst die Bereitschaft mitbringen, andere zu sehen, ohne sie zu bewerten. Das ist für mich eine Haltung, die man üben kann.

Zum Beitrag von Sylvia Tornau:
https://www.sylvia-tornau.de/sie-weinte-die-traenen-die-ich-nicht-weinen-konnte-was-frauensolidaritaet-wirklich-bedeutet/

Was verbindet dich mit anderen Frauen?

In diesem Blogartikel findest du sieben Blickwinkel von sieben Frauen und erhältst sieben Antworten auf dieselbe Frage: “Was ist Frauensolidarität”.
Vielleicht hast du beim Lesen an jemanden gedacht. An eine Freundin, eine Kollegin, eine Fremde auf der Straße oder an einen Moment, in dem dir eine Frau ohne zu zögern geholfen hat. Ich lade dich ein, diesen Moment in den Kommentaren zu teilen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn dieser Artikel weiterwächst. Als Sammlung von Geschichten, die zeigen: Wir müssen nicht allein stark sein. Wir werden stärker, wenn wir uns gegenseitig sehen, anerkennen und unterstützen.

Falls du Lust hast, einen Artikel zum Thema zu schreiben, oder du hast schon vor Jahren einen Artikel zum Thema geschrieben, verlinke ihn gern in den Kommentaren. Ich nehme ihn dann noch mit in die Liste auf.

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Das Wort “Trauma” wird heute für Extremereignisse benutzt und für den Streit mit der Chefin. Ich vermute, dass genau das eine Zwickmühle erzeugt: Wer echte Bindungs- oder Kindheitstraumata kennt, fühlt sich mit dem Wort oft falsch verortet. Es scheint zu schwer für das lockere Alltagsverständnis und zu wenig dramatisch für das, was als “richtiges Trauma” gilt.

Ich möchte wissen, ob das stimmt und was das Wort wirklich in dir auslöst. Die Umfrage dauert ca. 5–8 Minuten und ist anonym.

Über die Autorin: Sylvia Tornau

„Ins Kleid des Lebens Würde weben" ist mein persönliches und berufliches Leitbild. Ich bin Sylvia, systemische Therapeutin, Trauma-Coachin und Frau mit eigener Geschichte aus Leipzig. Seit 2007 schreibe ich hier über das, was mich wirklich bewegt: über Muster, die uns fremdbestimmen, über die Erschöpfung, die entsteht, wenn wir funktionieren, statt zu leben. Und über die manchmal unbequemen Schritte, die wir gehen, um endlich in uns selbst zu Hause zu sein. Mit meinem Schreiben verbinde ich eigene Erfahrungen, aus einer Geschichte des Aufwachsens, die tiefe Spuren hinterlassen hat, aus den Erfahrungen, wie ich mit diesen Spuren umgehe, und mit einem breiten Schatz an Fachwissen, den ich mir über die Jahre aneignete und mir immer noch aneigne. Ich glaube zutiefst daran, dass wir wenig hilfreiche Muster mit einer großen Portion Selbstfürsorge in Lebendigkeit und Lebensfreude verwandeln können.

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Ich bin Sylvia, systemische Therapeutin, Trauma-Coach und Bloggerin. Die menschliche Psyche und die Frage „Warum ticken wir, wie wir ticken“ treiben mich schon seit meiner Jugend an.

Heute unterstütze ich Frauen dabei, alte Prägungen loszulassen, ihre Emotionen zu regulieren und im eigenen Leben zu Hause zu sein.

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