Beruhigung des wütenden Kindes

Umgang mit dem wütenden Kind: Ein alleinerziehender Vater, von drei Kindern am Rand der geistigen Behinderung, davon ein leibliches und zwei anerkannte, soll heißen: von anderen Männern innerhalb der Ehe erzeugt, vom Kindesvater als ‘eigene’ Kinder angenommen. Die Kindesmutter, Alkoholikerin – das ist auch der Grund für die Behinderung der Kinder –, ist spurlos verschwunden. Manchmal begegnen die Kinder ihrer Mutter im Park. Meist liegt sie dann betrunken auf der Parkbank und erkennt ihre Kinder nicht. Das macht die Kinder wütend. Aber das ist eine andere Geschichte.

Alleinerziehender Vater

Wer sich ein wenig auskennt, weiß, dass Menschen, die an der Grenze zu geistiger Behinderung leben, in Überforderungssituationen einfach abschalten, nicht mehr zuhören, nicht mehr reagieren. Hört die Überforderung nicht auf – zum Beispiel, weil es sich um eine unerledigte Hausaufgabe handelt –, kann es zu mittleren bis schweren Wutausbrüchen kommen. Während meiner Arbeit als Familientherapeutin konnte ich derartige Situationen häufiger beobachten. Solch kindliche oder jugendliche Wutausbrüche führen nicht selten aufseiten der Eltern ebenfalls zu Überforderung, welche dann ebenfalls mit viel Gebrüll zum Ausdruck kommt. Nicht so in der oben beschriebenen Familie.

Umgang mit Wutausbrüchen

Meine Frage, wie der Vater denn auf ihre Wutausbrüche reagiert, beantwortete die mittlere Tochter so: “Naja, dann müssen wir uns anziehen und dann laufen wir.”
“Mhm. Ihr lauft also. Um den Block?”
“Nein, wir laufen dann ganz lange.”
“Wir laufen und reden dabei. Aber erst mal müssen wir laufen, bis Susi ihre Wut weg ist.” mischte sich der Vater ein.
“Und wo laufen Sie dann hin?” fragte ich weiter, weil es für Auto- und Straßenbahnverwöhnte Großstadtmenschen wie mich unglaublich klingt, wenn jemand freiwillig weiter als zum nächsten Bäcker, zur nächsten Haltestelle läuft.
“Ach das ist ganz unterschiedlich, bis Baalsdorf, Holzhausen und so” grinst mich der Vater an.
Ich hole tief Luft. “Aber das sind ja mindestens 10 Kilometer!”
“Ja, mindestens. Das Weiteste, was wir mal gelaufen sind, waren 22 Kilometer. Aber da taten uns allen dann die Füße weh.”

Fazit zum Umgang mit dem wütenden Kind

Also ehrlich, das nenne ich eine Erziehungsmaßnahme: Laufen gegen die Wut und dann darüber reden, wie es zu dieser Wut gekommen ist. Das ist der Punkt, an dem meine Arbeit mir Freude macht, wenn eine Familie ihre eigenen Lösungsstrategien findet und mich damit überrascht. Denn in dieser Lösung ist alles drin, was Erziehung braucht: Interesse am Kind (mitbekommen, dass das Kind überfordert ist), die Bedürfnisse des Kindes herausfinden und darauf reagieren (Wutabbau durch Bewegung), Zuwendung (Mitlaufen) und Lösungen erarbeiten (über das Problem reden und gemeinsam eine Lösung finden).

Über die Autorin: Sylvia Tornau

„Ins Kleid des Lebens Würde weben" ist mein persönliches und berufliches Leitbild. Ich bin Sylvia, systemische Therapeutin, Trauma-Coachin und Frau mit eigener Geschichte aus Leipzig. Seit 2007 schreibe ich hier über das, was mich wirklich bewegt: über Muster, die uns fremdbestimmen, über die Erschöpfung, die entsteht, wenn wir funktionieren, statt zu leben. Und über die manchmal unbequemen Schritte, die wir gehen, um endlich in uns selbst zu Hause zu sein. Mit meinem Schreiben verbinde ich eigene Erfahrungen, aus einer Geschichte des Aufwachsens, die tiefe Spuren hinterlassen hat, aus den Erfahrungen, wie ich mit diesen Spuren umgehe, und mit einem breiten Schatz an Fachwissen, den ich mir über die Jahre aneignete und mir immer noch aneigne. Ich glaube zutiefst daran, dass wir wenig hilfreiche Muster mit einer großen Portion Selbstfürsorge in Lebendigkeit und Lebensfreude verwandeln können.

Ein Kommentar

  1. Erika Futh 15. Dezember 2008 um 20:34 Uhr

    Super klasse!!
    Finde ich sehr gute Idee!
    Wenn meine Kinder älter werden werde ich es auch so machen.Momentan habe ich halt das Problem dass mein Sohn ert im Februar 5 wird und meine Tochter ebenfalls im Februar 3.Also bisschen schwerig mit denen zu laufen.
    Wenn mein Sohn mist baut im Wohnzimmer dann schümpfe ich mit ihm und schike ich ihn nach oben ins sein Zimmer.Er lässt sein wut unterwegs los und reisst mir die Tapete im Treppenhaus ab,oder heute hat er in den Zimmer von seine Schwester die Brille von ihr zertrümmelt!
    Ich bin fassungslos und weiss nicht mehr was ich machen soll!!!

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Hallo, schön, dass du da bist!

Ich bin Sylvia, systemische Therapeutin, Trauma-Coach und Bloggerin. Die menschliche Psyche und die Frage „Warum ticken wir, wie wir ticken“ treiben mich schon seit meiner Jugend an.

Heute unterstütze ich Frauen dabei, alte Prägungen loszulassen, ihre Emotionen zu regulieren und im eigenen Leben zu Hause zu sein.

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