Life-Coaching und traumasensibles Coaching: Was ist der Unterschied?

In den vergangenen Monaten wurde ich mehrfach gefragt, was eigentlich der Unterschied zwischen Life-Coaching und traumasensiblen Coaching ist. Es gibt inzwischen viele unterschiedliche Coaching-Angebote. Die sind nicht so leicht auseinanderzuhalten: Business Coaching, Personal Coaching, Life-Coaching, systemisches Coaching und jetzt auch noch traumasensibles Coaching. Da ich in den drei zuletzt aufgezählten Coaching-Bereichen arbeite – wobei ich systemisches Coaching nicht explizit anbiete, sondern dies eher als Methode nutze – beschreibe ich in diesem Beitrag die beiden Coaching-Arten Life-Coaching und traumasensibles Coaching näher und vergleiche sie miteinander.

Was ist Life-Coaching?

Life-Coaching dient der persönlichen Entwicklung und Transformation. Es bietet Raum und Unterstützung, die Menschen benötigen, um ihr Leben bewusst zu gestalten und ihre Träume zu verwirklichen. Durch die Kombination von individuellem Ansatz, Lösungsfokussierung, Selbstreflexion und anderen Schlüsselelementen bietet Life-Coaching eine umfassende Unterstützung auf dem Weg zur Selbstverwirklichung und Lebenszufriedenheit. Der Life-Coach entwickelt individuell angepasste Strategien. Diese basieren auf den einzigartigen Stärken, Interessen und Zielen der Klientin. Life-Coaching konzentriert sich auf eine zukunftsorientierte Perspektive. Es hilft Klient:innen, sich auf ihre Ziele und das zu konzentrieren, was sie erreichen möchten, anstatt in vergangenen Fehlern oder Schwierigkeiten festzustecken. Die Coachin unterstützt den Klienten dabei, handlungsfähig zu werden, indem er praktische und umsetzbare Schritte entwickelt, die zu positiven Veränderungen führen. Durch angeleitete Selbstreflexion hilft der Coach dem Klienten, ein tieferes Verständnis für die eigene Persönlichkeit, Werte und Lebensvision zu entwickeln. Dieses Bewusstsein ist grundlegend für persönliches Wachstum und Erfüllung.

Life-Coaching im Detail

  • Formate: Life-Coaching kann persönlich, über Telefon, Video-Call oder in Gruppensettings stattfinden. Jedes Format hat Vorteile, wie die persönliche Nähe bei face-to-face Sessions oder die Bequemlichkeit und Flexibilität von Online-Sitzungen.
  • Interaktion: Die direkte Kommunikation ermöglicht einen offenen Austausch von Gedanken und Gefühlen. Die Coachin kann unmittelbar auf die Aussagen, Körpersprache und Emotionen des Coachees reagieren.
  • Feedback: Sofortiges Feedback ist ein Schlüsselelement des Life-Coachings. Es ermöglicht eine effektive Anpassung der Coaching-Strategien und -Techniken in Echtzeit, um den Bedürfnissen des Coachees gerecht zu werden.
  • Anpassungsfähigkeit: Life-Coaching zeichnet sich durch eine hohe Flexibilität aus. Coach und Coachee können Themen und Ziele während des Prozesses dynamisch anpassen. Das ermöglicht eine hohe Individualisierung des Coachings.

Schlüsselelemente des Life-Coachings

Die bisher benannten Schlüsselelemente des Life Coachings sind: individueller Ansatz, Fokussierung auf Lösungen und Selbstreflexion. Daneben gibt es noch ein paar zusätzliche Schlüsselelemente, die ich hier kurz nennen will:

  • Zielsetzung und Fortschrittsüberwachung: Das Setzen klarer, messbarer und erreichbarer Ziele ist ein zentraler Aspekt des Life Coachings. Der Coach hilft dem Klienten nicht nur bei der Zielsetzung, sondern überwacht auch den Fortschritt und passt die Strategien bei Bedarf an.
  • Motivationsförderung: Life Coaches sind auch dafür da, Motivation zu fördern und ihren Klienten durch Zeiten der Unsicherheit oder des Zweifels zu helfen. Sie bieten Unterstützung und Ermutigung, um den Klienten dazu zu bringen, motiviert zu bleiben und auf seine Ziele hinzuarbeiten.
  • Beziehungsbildung: Eine starke, vertrauensvolle Beziehung zwischen Coach und Klient ist der Grundstein des Life Coachings. Diese Beziehung basiert auf Offenheit, Ehrlichkeit und gegenseitigem Respekt.

Wann ist Life-Coaching sinnvoll?

Coachees entscheiden sich für ein Life-Coaching, wenn sie Unterstützung in Bereichen suchen, die eine direkte, persönliche Entwicklung und Zielerreichung betreffen. Die Themen können vielfältig sein und umfassen:

  • Karriereentwicklung: Berufliche Neuorientierung, Beförderung, Führungsqualitäten, Arbeitszufriedenheit.
  • Persönliche Entwicklung: Selbstvertrauen, Stressmanagement, Entscheidungsfindung, Zeitmanagement, Work-Life-Balance.
  • Beziehungen und soziale Kompetenzen: Kommunikationsfähigkeiten, Konfliktlösung, Aufbau und Pflege von Beziehungen.
  • Gesundheit und Wohlbefinden: Gesunde Lebensgewohnheiten, Umgang mit Stress, Achtsamkeit und Selbstfürsorge.
  • Leistungssteigerung: Verbesserung in spezifischen Bereichen wie Sport, Kunst oder öffentliches Sprechen.

Was ist traumasensibles Coaching?

Traumasensibles Coaching ist darauf ausgerichtet, Menschen, die Traumafolgen erleben, wie emotionale Trigger oder destruktive Muster, zu unterstützen. Es erfordert ein tiefes Verständnis für Trauma und dessen Auswirkungen auf das Nervensystem. Da Trauma oft mit einer verlorenen Verbindung zu sich selbst und den eigenen Bedürfnissen einhergeht, fokussiert traumasensibles Coaching nicht auf das Handeln und Umsetzen, sondern darauf, Coachees zu helfen, sich und ihre Bedürfnisse wieder zu spüren. Dies ist entscheidend, um das dauerhaft dysregulierte Nervensystem, das ständig Gefahr wittert, zu beruhigen und ein Gefühl von innerer Sicherheit (wieder)herzustellen. Es geht weniger darum, mit dem Verstand zu denken, sondern mehr darum wahrzunehmen, was jetzt ist und mit dem Körper zu fühlen. Wichtig ist: traumasensibles Coaching ist KEINE Traumatherapie und ersetzt diese auch nicht.

In der Praxis umfasst dies Körperarbeit und Achtsamkeitsübungen, um das Nervensystem zu regulieren. Techniken wie gezielte Atemübungen, progressive Muskelentspannung und Achtsamkeit helfen, den Körper zu spüren und emotionale Verarbeitung zu fördern. Grounding-Techniken und die Visualisierung sicherer Orte stärken das Gefühl der Gegenwärtigkeit und Sicherheit. Psychoedukation über die Funktionsweise des Nervensystems und das Bewusstsein für Trigger sind ebenfalls wichtig, um Coachees ein besseres Verständnis ihrer Reaktionen zu geben.

Ein wesentlicher Aspekt des traumasensiblen Coachings ist das Erlauben und Integrieren aller Emotionen und Anteile in einem sicheren, nicht wertenden Raum. Das erweitert die Stresskapazität des Nervensystems. Dadurch können bisherige Trigger neutralisiert werden. Das bedeutet, dass Coachees einer Situation, die heute Stress auslöst, in einer vergleichbaren Situation später diesen Stress nicht mehr erleben. Sie können den Triggern frei begegnen. Das Empowern der Coachees, ihren individuellen Weg zu finden und ihren Bedürfnissen und Impulsen zu vertrauen, ist zentral, um das Nervensystem von Traumareaktionen zu lösen und zu innerer Sicherheit zurückzufinden.

Traumasensibles Coaching im Detail

  • Formate: Traumasensibles Coaching findet meist in der persönlichen Begegnung statt. Dies bietet Raum für eine tiefe, empathische Verbindung und ein sicheres Umfeld. Telefon oder Video-Calls ermöglichen Personen den Zugang zu traumasensiblem Coaching, die räumlich entfernt sind oder aus Sicherheitsgründen eine physische Distanz bevorzugen. In Gruppensettings fördern ein Gefühl der Gemeinschaft und des Verstandenwerdens unter Coachees, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.
  • Interaktion: Gezielte, sensible Kommunikation, welche die besonderen Bedürfnisse von Personen mit Traumata berücksichtigt. Die Coachin kann unterstützend auf verbale und nonverbale Signale des Coachees eingehen.
  • Sicherheitsgefühl: Die Art der Interaktion ist darauf ausgerichtet, ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen aufzubauen, das für die Traumaarbeit grundlegend ist.
  • Feedback: In einem traumasensiblen Coaching-Kontext ist Feedback darauf ausgelegt, die Gefühle und Erfahrungen des Coachees zu bezeugen und wohlwollend anzuerkennen.
  • Individuelle Anpassung: Die Methoden und Techniken im traumasensiblen Coaching werden speziell auf die Traumaerfahrung und die Bedürfnisse des Coachees abgestimmt.

Schlüsselelemente des traumasensiblen Coachings

Auch im traumasensiblen Coaching gibt es, neben den schon genannten Schlüsselelementen – Körperarbeit, Achtsamkeitsübungen, Atemübungen, Grounding-Techniken, Visualisierung sicherer Orte, Psychoedukation und das Erlauben und Integrieren aller Emotionen und Anteile – noch zusätzliche Schlüsselelemente.

  • Körperorientierte Praktiken: Integration von Techniken, die dem Coachee helfen, sich in seinem Körper sicher zu fühlen und Körperbewusstsein zu entwickeln.
  • Individuelle Bedürfnisse erkennen: Das Erkennen und Akzeptieren eigener Bedürfnisse und Grenzen ist ein wichtiger Schritt, um das Nervensystem zu beruhigen und ein Gefühl der inneren Sicherheit zu entwickeln.
  • Integration unterdrückter Emotionen: Durch das bewusste Zulassen und Ausdrücken von Emotionen, auch solchen, die lange unterdrückt wurden, kann das Nervensystem beginnen, sich von der dauerhaften Alarmbereitschaft zu lösen.
  • Trauma-Informierte Praktiken: Einsatz von Methoden, die ein tiefes Verständnis von Trauma und dessen Auswirkungen auf das Individuum widerspiegeln.
  • Ressourcenorientierung: Fokus auf die Stärkung der persönlichen Ressourcen und Resilienz des Coachees, um ein Gefühl der Selbstwirksamkeit zu fördern.

Darauf solltest du bei der Wahl des Coaches / der Coachin achten.

Wann ist traumasensibles Coaching sinnvoll?

Coachees, die sich für traumasensibles Coaching entscheiden, haben oft Erfahrungen gemacht, die tiefe emotionale und psychologische Spuren hinterlassen haben. Die Themen in diesem Coaching-Bereich beziehen sich in der Regel auf:

  • Verarbeitung und Akzeptanz von Traumata: Unterstützung bei der Bewältigung von Erfahrungen, die durch physische, emotionale oder sexuelle Gewalt, Unfälle oder Katastrophen verursacht wurden.
  • Aufbau von Sicherheit und Vertrauen: Entwicklung eines Gefühls von Sicherheit in sich selbst und in Beziehungen zu anderen.
  • Stärkung der Resilienz und Selbstregulation: Erlernen von Techniken zur Stressbewältigung, emotionalen Regulation und Förderung der eigenen Widerstandsfähigkeit.
  • Reintegration und soziale Anpassung: Unterstützung bei der Wiedereingliederung in das soziale und berufliche Leben nach traumatischen Erfahrungen.

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Traumasensibles Coaching biete ich für Menschen mit Traumafolgestörungen an, die sich der eigenen Traumata bewusst sind. Ich biete es aber auch für Menschen in Krisensituationen wie Trennung, Scheidung, Todesfall oder Jobverlust. Gerade in den kritischen Situationen greifen alte Traumamuster, da diese im ersten Moment Sicherheit geben, denn sie sind dem Nervensystem bekannt.

Ich gehe davon aus, dass fast jeder Mensch unverarbeitete Traumata und chronischen traumatischen Stress in sich trägt. Die aus diesen Traumata entstandenen Muster halten uns oft (unbewusst) davon ab, das Leben zu leben, welches wir uns eigentlich wünschen. – Sylvia Tornau

Im Hier und heute sind diese Muster jedoch häufig nicht mehr hilfreich. Zu verstehen, woher diese Muster kommen, warum sie sich entwickelt haben und wofür sie in der eigenen Entwicklung dienlich waren, ist der Grund, warum ich Traumasensibilität für wichtig halte, egal in welcher Form des Coachings. Denn ein starkes und ausgeglichenes Nervensystem und die Akzeptanz des eigenen So-Seins sind die Basis für innere Freiheit und Lebensglück.

2 Kommentare

  1. Sylvia Tornau 3. März 2024 um 21:13 Uhr

    Danke für deinen wertschätzenden Kommentar liebe Lorena und viel Vergnügen, Abenteuer und schöne Begegnungen in Kroatien. Herzliche Grüße Sylvia

  2. Lorena 3. März 2024 um 19:42 Uhr

    Liebe Sylvia,

    ein sehr wichtiger Unterschieds-Artikel ind em Du sher schön die zentralen merkmale herausgearbeitet hast.
    Danke für diese Ausführungen! 🙂

    Liebste Grüße (aktuell aus Kroatien)
    Lorena

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Hallo, ich bin Sylvia

systemische Therapeutin, Trauma-Coach und Bloggerin. Seit über 20 Jahren arbeite ich mit Paaren, Familien und Einzelpersonen daran, negative Kindheitsprägungen und frühe Traumata zu lösen und ein Leben voller Selbstvertrauen, inneren Frieden und emotionaler Stabilität zu führen.
Für ein erfülltes Leben in Verbundenheit.

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